KurdAid, Unterstützung für soziale Projekte in Kurdistan
  Situation        
       
Ein Grossteil der Einwohner Kurdistans lebt unter menschenunwürdigen Bedingungen. Betroffen sind vor allem Kinder und Jugendliche, die aus verschiedenen Gründen nicht in eine Familienstruktur eingebunden sind. Viele von ihnen fristen ein schwieriges Dasein als Strassenkinder, andere finden, wenn sie etwas Glück haben, eine Zuflucht in einem Heim.

Die Gründe für dieses Elend sind vielfältig:
     

Im Laufe der letzten Jahrzehnte sind die Menschen infolge kriegerischer Auseinandersetzungen, Naturkatastrophen und der andauernden wirtschaftlichen Krise massenweise aus den Dörfern in die Städte abgewandert. Durch diese Landflucht ist die Zahl der Arbeitslosen in den Städten drastisch angestiegen. In beengten Wohnräumen, die meistens illegal über Nacht gebaut wurden, versuchen die „Familienernährer“, meist ohne Ausbildung und Berufsperspektiven, ihre Grossfamilie zu versorgen. Mit staatlicher Hilfe können sie nicht rechnen.

Im Laufe der Zeit haben sich auch die traditionellen Normen und Werte verändert, welche die Familien bis anhin einigermassen zusammengehalten hatten. Dieser Umstand sorgt neben der schwierigen finanziellen Lage für weitere Konflikte innerhalb der Familien. Fern der sozialen Sicherheit einer Dorfgemeinschaft, fehlt es den „Bodenlosen“ in der Stadt an einer festen gemeinschaftlichen Bindung. Es ist oft nur eine Frage der Zeit, bis die Familie – nicht selten eine Grossfamilie - auseinander fällt.

Neben der wirtschaftlichen Krise und der Auflösung der traditionellen Werte sind auch Krankheit, Ableben oder Freiheitsentzug eines Elternteils (z.B. wegen verbotenen politischen Aktivitäten oder Drogenkonsums usw.) mögliche Ursachen des Familienelends. Eine Sozialversicherung bei Tod oder Invalidität existiert, ausser für Staatsangestellte, nicht. Verwitwete oder geschiedene Frauen mit Kindern sind aufgrund ihrer Armut gezwungen, die Kinder ihrem Schicksal auf der Strasse zu überlassen oder diese auszusetzen. Kindern von wiederverheirateten Frauen droht das gleiche Schicksal, wenn sie von ihrem Stiefvater nicht akzeptiert werden. Körperlich oder geistig behinderte Kinder, welche aus bescheidenen Verhältnissen stammen, werden nicht selten zum Betteln auf die Strasse geschickt. Die Trennung von den Eltern und die Obdachlosigkeit löst bei den Kindern Ängste, Aggressionen und Depressionen aus. Im Strassenleben sind die Kinder Gewalt, gesundheitlichen Gefahren, Drogen, Nötigung, Kälte, Missbrauch und Ausbeutung ausgesetzt. Sie werden zudem von der Gesellschaft im besten Fall bemitleidet, nicht selten aber auch verachtet.

Gemäss dem Hilfswerk der UNO (UNICEF) leben und arbeiten weltweit 100 – 200 Millionen (!) Kinder auf der Strasse. Mangels vertrauenswürdiger statistischer Angaben, fehlt uns die genaue Zahl der Strassenkinder in Kurdistan. Fest steht jedoch, dass nur ein kleiner Teil der „obdachlosen“ Kinder und Jugendlichen von der Polizei aufgelesen und später vom Gericht dem Vormundschaftsamt übergeben werden.

Diese Kinder werden, sofern Platz vorhanden ist, in Heimen untergebracht, welche entweder staatlich oder von Privaten geführt sind.In den Heimen werden die Kinder und Jugendlichen mit Nahrung und Kleidung versorgt und sie haben zudem bescheidene Waschmöglichkeiten und kollektive Schlafzimmer. Der Schulbesuch ist für Heimkinder zwar gewährleistet. In den Heimen fehlt es jedoch an einer professionellen Erziehung und an einem sinnvollen Freizeitangebot. Eine handwerkliche oder künstlerische Betätigung ist nicht möglich. Es fehlt auch an psychologischer Betreuung. Diese wäre für einen grossen Teil der Kinder äusserst notwendig. In der Regel verbringen die Heimbewohner ihre ganze Kindheit und Adoleszenz in den Heimen. Nur selten wird ein Kind wieder von den Eltern abgeholt.

In der Regel endet der Heimaufenthalt mit dem 18. Altersjahr. Viele dieser jungen Menschen kommen nach ihrer Entlassung mit dem Alltagsleben nicht zurecht und sind nicht fähig, ihr Leben selber zu meistern. Es kommt häufig vor, dass ehemalige Heimbewohner nach der absolvierten Militärdienst-Pflicht wieder ratlos und Hilfe suchend in das Heim zurückkehren, zumal sie keine Unterstützung bei der Arbeits- und Wohnungssuche erhalten.

 

Zur allgemeinen Situation von Strassenkindern in Iran

In der iranischen Zeitung "Jam-e-Jam" vom 18. Dezember 2005 (27. Azar 1384 Nr. 1609, Seite 15, Ansicht Zeitungsauschnitt) war ein Bericht zur Situation von Strassenkindern zu lesen. Darin wurde berichtet, dass im vierten Monat des Jahres die Regierung eine gesetzliche Regelung über das „Organisieren von Strassenkindern“ dem Ministerium für Wohlfahrt und soziale Sicherheit zum Ausführen unterbreitet habe. Sie enthält 12 Artikel und 5 Absätze, welche die Vormundschaftsbehörde (dem erwähnten Ministerium unterstellt) verpflichtet, in Zusammenarbeit mit weiteren 11 Ämtern und Organisationen vorhandene Strassenkinder zu erfassen, aufzunehmen und ihre Fähigkeiten zu fördern. Gemäss aktuellster statistischer Erhebung seien 20’000 Strassenkinder zu beklagen. Der Erlass der Regierung bezwecke, den Strassenkindern Verdienstmöglichkeiten sowie finanzielle Unterstützung zur Förderung der Erwerbstätigkeit zu gewähren. Diese Hilfe richtet sich an die Familie dieser Kinder, welche das 15. Altersjahr vollendet haben. Die Statistiken ergaben Folgendes:

- 92% der Kinder waren im Alter von 14-18
- 89% von ihnen hatten erhebliche körperliche und psychische Probleme
- 37% von ihnen waren drogenabhängig
- 50% begingen Diebstahl
- 41% handelten mit Drogen
- 85% wandalisierten und zerstörten öffentliche Einrichtungen
- 50% wurden sexuelle missbraucht
- 55% waren verschuldet
- 84% litten an Blutmangel
- 80% waren körperlich kleiner als normal
- 86% waren mager und litten an Gewichtverlust
- 37% litten an Augenkrankheiten
- 82% litten an Hautkrankheiten

Es sei jedoch zu erwähnen, so der Redaktor des Zeitungsartikels, dass seit nunmehr als 5 Monten seit dem Erlass keine konkreten Ausführungsmassnahmen unternommen worden seien.