KurdAid, Unterstützung für soziale Projekte in Kurdistan
  Realisierte Projekte Laufende Projekte      

 

Jahr 2004

Etwa sechs Monate nach der Gründung von KurdAid reiste im Sommer 2004 eine erste Arbeitsgruppe von KurdAid nach Sanandaj, Hauptsadt Kurdistans im Iran (Ansicht Landkarte). Sie konnte während mehreren Wochen dank Zusammenarbeit mit Einheimischen sowie Spendegeldern einige Projekte vor Ort planen und ausführen. Die finanziellen und sonstige Mittel für die nachfolgenden Projekte setzten sich wie folgt zusammen:

- Aus der Vereinskasse 2'000 CHF
- € 50 Spende in Bar
- Weitere € 600 Spende in Bar, welche ausdrücklich als Beitrag an die Miete des Heims "Omid" in Kurdistan gedacht waren
- Spielbälle und ein Schachtel voller Brettspiele
- Schminkutensilien (Erlös = 21 CHF bzw. €13.5)

Omid: Heim für Strassenkinder und -jugendliche

Als Erstes wurde "Omid", ein Heim für Jugendliche besucht, mit dem KurdAid bereits vor der Abreise nach Kurdistan Kontakt aufgenommen hatte. In diesem Heim werden 15 Jugendliche im Alter von 12 bis 18 durch Privatpersonen betreut. Die Mehrheit dieser jungen Menschen ist in ihrem dritten Aufenthaltsjahr in diesem Heim. Das Heim besteht aus einem kleinen Büro, einem Wohnzimmer von ca. 4 m x 4 m, einem mit Einzellbetten überfüllten Schlafzimmer, einem bescheidenen Badezimmer und einer Küche von ca. 3 m x 3 m.
Die Miete des Heims beträgt ca. €130. KurdAid hatte bereits im Vorfeld der Reise nach Kurdistan Kenntnis von diesem Umstand und konnte deshalb von einem grosszügigen Spender € 600 für einige Monatsmieten aufbringen.
In diesem Heim werden die Jugendlichen mit Nahrung und Kleidung versorgt. Sie haben zudem bescheidene Waschmöglichkeiten und ein gemeinsames Schlafzimmer.

 

Da das Schlafzimmer mit Einzelbetten überfüllt war, hat KurdAid auf Wunsch der Heimleitung acht Stück Kajütenbetten deutlich unter dem Marktpreis für die Kinder besorgt.

 

Weiter wurde für die Küche ein mit Gas betriebener 6 Liter grosser Wasserkocher (Samowar) gekauft, der zum Teekochen dringend benötigt wurde.

Für sämtliche Büroarbeiten, wie namentlich Schreiben von Briefen und Erstellen von Berichten und Rechnungen ist die Heimleitung auf externe Hilfe angewiesen. Ein Computer mit Drucker war deshalb ein grosser Wunsch der Heimleitung. Aus diesem Grund verhandelte KurdAid mit dem Geschäftsführer einer Firma, welche derlei Geräte auf dem Markt anbietet. Der Geschäftsführer versprach die Lieferung eines Computers samt Software und mit einem Drucker bis Ende September 2004, wobei er selbst 2/3 der Kosten der Geräte zu übernehmen versprach.

 

Zum Zeitvertreib stand den Jugendlichen im Heim lediglich ein Fernseher und ein sehr kleines Tischfussball-Spiel zur Verfügung. Weitere Spielzeuge etc. gab es keine.

 

 

Im Einverständnis mit der Heimleitung wurde den Kindern und Jugendlichen eine, offenbar seit langem gewünschte Play-Station mit einigen „friedlichen“ Spiel-CD’s ohne agressive Inhalte besorgt.

Des Weiteren wurde den Kindern und Jugendlichen einige Fuss- und Vollybälle sowie eine grosse Schachtel voller Brettspiele überreicht, welche von Mary aus der Schweiz für die Knaben im Heim gesammelt worden waren.

Einer der Jugendlichen konnte elektronische Orgel spielen; ein Musikinstrument, das in kurdischen Festen sehr oft von Musikern eingesetzt wird. Um die musikalische Begabung der Jugendlichen zu fördern und ihnen auch für ihre berufliche Zukunft eine Perspektive zu bieten, bemühte sich KurdAid um die Beschaffung einer elektronischen Orgel (Keyboard). Nach Verhandlungen mit dem Geschäftsführer eines Musikgeschäfts konnte das Instrument letztlich unentgeltlich beschafft werden – damit wurde das Heim dank dem Einsatz von KurdAid auch um einen einheimischen Spender reicher.

Durch den Einsatz von KurdAid wurde dem Heim ferner seitens einheimischer Spender Kleiderschränke und einen Gasherd versprochen. Gespendet wurde zudem ein grosses Tischfussball-Spiel.

Tetraplegikerin Hati

Hati (fiktiver Name) ist Mitte dreissig und eines von 14 Kindern ihrer Familie. Sie ist auf Grund eines Unfalls seit über 15 Jahren körperlich schwer behindert und kann lediglich ihre Hände mit Mühe bewegen. Die meiste Zeit liegt sie auf dem Rücken im Bett in der bescheidenen Behausung der Familie. Aus diesem Grund hat sie viele Wunden am Rücken (Decubitus).

In der Körperpflege und Bewegung ist sie völlig von ihren Schwestern abhängig. Hati hat zwar einen alten Elektrorollstuhl zur Verfügung. Der hat aber eine sehr schwache Batterie, deren Aufladegerät nicht eingebaut und immer im Hause deponiert ist. Aus diesem Grund kann die Batterie auch nicht ausserhalb des Hauses aufgeladen werden. Wenn Hati mal mit dem Elektrostuhl ins Freie will, müssen zwei Schwester sie immer begleiten. Oft müssen sie den sehr schweren Elektrorollstuhl mit entladener Batterie nach Hause stossen.

KurdAid hat für Hati als Erstes Schreibmaterial besorgt, damit sie ihre Zeit etwas sinnvoller gestalten kann. Sie äusserte die Absicht, ihre Memoiren oder Geschichten aufzuschreiben. Etwa zwei Monate später erfuhr KurdAid in einem Brief von Hati, dass sie bis dahin 17 Seiten Memoiren geschrieben habe.

Im 2x3 m kleinen Zimmer von Hati war ein alter kleiner schwarz-weiss Fernseher in einer Ecke vorhanden. Hati war für die Bedienung völlig auf die Hilfe einer ihrer Schwestern angewiesen. Deshalb hat KurdAid das Gerät durch einen kleinen Farbfernseher mit Fernbedienung ersetzt. Dadurch kann sie jetzt jederzeit das Gerät nach ihrem Wunsch bedienen.

Auf Grund des bescheidenen Einkommens des alten Vaters sind sowohl Hati wie auch die ganze Familie auf die Hilfe Dritter angewiesen. Um die finanzielle Belastung der Familie zu erleichtern und auch den Schwestern von Hati eine Einkommensmöglichkeit zu bieten, besorgte KurdAid für sie eine Nähmaschine.

Hati hat noch weitere Bedürfnisse, die KurdAid dann zumal finanziell nicht erfüllen konnte. Hati könnte sowohl ein elektrisch-verstellbares Bett, eine Antidecubitus Matratze sowie einen funktionstüchtigeren Elektrorollstuhl gebrauchen.


Heim für psychisch kranke Menschen

KurdAid hat ferner ein privates Heim mit mehr als 30 psychisch Kranken besucht. Diese Menschen sind von der Umwelt und ihren Familien ausgestossen. Gemäss der Heimleitung werden sie wohl bis ans Lebensende im Heim bleiben müssen. (Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes wurde die nebenstehende Foto unscharf entwickelt)

Die Heimleitung hat uns versichert, dass sie keine finanzielle Unterstützung benötigt. Sie war jedoch in beeindruckender Offenheit besorgt über die fachliche Betreuung der Patienten. „Wir brauchen dringend entsprechendes Wissen, damit wir diesen Menschen auch in fachlicher Hinsicht helfen können“, so die Heimleitung.

Diesen Hilferuf geben wir nun weiter an FachärztInnen, mit der Bitte um Kontaktaufnahme mit KurdAid.

 

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Jahr 2005

Omid: Heim für Strassenkinder und -jugendliche

Kurz vor dem Jahresende besuchte KurdAid einmal mehr das Heim "Omid" in Sanandaj, der Hauptstadt Kurdistans in Iran. Das Heim hat seit dem letzten Besuch Einiges an Veränderungen erfahren. Das Heim ist jetzt in einem anderen Stadtteil und wird von einer neuen Leiterin und einem neuen Direktor geführt. Auch die BetreuerInnen sind mit einer Ausnahme alle neu. Neu gewählt sind auch die Vorstandsmitglieder und eine Inspektorin. Unter den aktiven Mitglieder und Engagierten sind sehr viele Frauen vertreten.

Nach dem Kennenlernen und der Analyse der Situation entschied der Verein Omid zusammen mit KurdAid, den Schwerpunkt der Zusammenarbeit auf den Transfer von Know-how in Sachen Management zu legen. KurdAid organisierte darauf spontan ein Intensivseminar. Während zweier Wochen und durch Zuhilfenahme von (selbst gebastelten) Charts wurde versucht, den Mitgliedern des Vorstands Omid Fachkenntnisse in Sachen Management in einer NPO (non-profit organisation) zu übermitteln. Auch die BetreuerInnen, der Direktor und die Heimleiterin sowie die Kinder wurden in diesem Prozess einbezogen.

Der Schwerpunkt des Seminars basierte, auf der Idee des Wissenstransfers in Sachen Management und zwar nach der Methode des "management by objectives" (Ziel orientiertes Leiten). Die Ziele des Seminars waren:

  • Die Förderung des Teamgeistes und die Verbesserung des Klimas zwischen den Akteuren. Die Förderung von Ziel gerichtetem Arbeiten sowie Zeitplanung
  • Die Einberufung von Arbeitsgruppen zur Erreichung der definierten Ziele
  • Definition von Aufgaben sowie Aufgabenteilung

Das vermittelte Wissen wurde zeitgleich in die Tat umgesetzt. Die bestehenden Probleme wurden analysiert (Ansicht Chart Probleme) und zum deren Lösen entsprechende Arbeitsgruppen (genannt "Kommission") einberufen. Die zu erreichenden Ziele der Kommissionen wurden definiert und auch der Zeitplan dazu wurde festgelegt. Gestützt auf die zu lösenden Probleme bzw. die Bedürfnisse wurden folgende Kommissionen eingesetzt (Ansicht Chart Kommissionen):

  • Kommission Finanzen: mit dem Ziel, das Defizit zu minimieren und Einkommen erzielende Projekte umzusetzen.
  • Kommission Öffentlichkeitsarbeit: mit dem Hauptziel, Freiwillige, Mitglieder und SpenderInnen zu gewinnen.
  • Kommission Kinder: mit dem Hauptziel, die Gesamtsituation der Kinder und jene des Heims zu verbessern und beratende Arbeitsgruppe aus ÄrztInnen, PsychologInnen, LehrerInnen, JuristInnen usw. zu organisieren.
  • Kommission Aufsicht und Coaching: wird die anderen Kommissionen auf ihren Weg zum Ziel beaufsichtigen und beratend unterstützen.

Jede Kommission definierte in einer gemeinsamen Sitzung ihre eigenen Ziele und Projekte, welche sie innert der nächsten ca. 2 Monate bis zum iranischen Jahresende am 21. März 2006) zu erreichen bzw. zu realisieren hatte.

Weitere Dienste von KurdAid waren:

  • Erstellung einer Dokumentation, welche als Grundlage für die öffentliche Bekanntmachung des Heims Omid und dessen Organisation dient (Ansicht Chart Orgaisation).
  • Mithilfe bei der Erstellung einer weiteren Dokumentation, worin die Aufgaben und Kompetenzen der Organe transparent und systematisch zusammengefasst sind (Ansicht Chart Aufgaben/Kompetenzen).
  • Begleitung und Mitdenken bei der Prüfung der Realisierbarkeit von Projekten wie z.B. im Zusammenhang mit den Finanzen, wozu die Projekte Kleider-Produktionsstätte, Bäckerei und Kauf eines Transportmittels gehörten.
  • Mithilfe bei der Gestaltung der Arbeitszeitregelung und der Definition der Aufgaben des Personals (Ansicht Chart Einsatzplan).

KurdAid war ferner selber aktiv beim Sammeln von Spenden auch in Kurdistan. So gelang ihm durch einen Spender eine grosse Waschmaschine sowie einen grossen abschliessbaren Aktenschrank (für die medizinischen Unterlagen der Kinder) zu besorgen. Der Kommission für Öffentlichkeitsarbeit wurde ferner dank Vermittlung von KurdAid ein möbliertes Büro an zentraler Lage in der Stadt kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Am Ende des Seminars lud KurdAid alle, die mit sehr viel Engagement und Freude die Arbeiten vorangetrieben hatten, darunter auch die Kinder in einem traditionellen Restaurant zum Nachtessen ein.

Parallel zum Seminar besorgte KurdAid in Absprache mit der Leitung des Heims Omid
a) drei Computer,
b) einen Drucker,
c) einen Telefon-Fax-Gerät,
d) zwei Tiefkühlschränke und
e) einen Personenwagen.

Weitere Anschaffungen wie Kochherd und Staubsauger hatte der Verein Omid vor dem Besuch von KurdAid bereits durch Spende vor Ort erhalten.
Die Computer sollen dem Heim Omid zum einen ein professionelles Arbeiten und einen einfacheren Austausch mit KurdAid ermöglichen. Zum anderen sollen die Computer aber auch für die Ausbildung der Kinder in der Computertechnik eingesetzt werden. Die grösseren Kinder können so unter Aufsicht das Schreiben am Computer etc. lernen. Der Drucker und das Telefon-Fax-Gerät dienen dem Verein Omid für die eigene Öffentlichkeitsarbeit. Es ist wichtig, dass der Verein Omid mit der Unterstützung von KurdAid lernt, mögliche Ressourcen in Kurdistan zu nutzen. Wichtig waren deshalb auch die beiden Tiefkühlschränke, die KurdAid mit den Spenden kaufte. Das Heim Omid erhält nämlich immer wieder Naturalspenden, wie eine grössere Menge Fleisch, nach einer Schlachtung etc. Damit diese Naturalspenden nicht verderben, waren die beiden Tiefkühlschränke nötig.

Mit Hilfe der Spende des Vereins "Neueck" konnte KurdAid einen Personenwagen zum Transport der Kinder des Heims Omid kaufen. Ein Auto, war seit längerem ein grosser Wunsch des Heims Omid, da sehr viel Geld in die Miete von Autos gesteckt werden musste. Mit dem Auto kann das Heim nun die Kinder einfacher transportieren oder auch einmal einen Ausflug organisieren und angebotene Naturalspenden selber einsammeln. Der Verein KurdAid dankt dem Verein Neueck für die grosszügige Spende, die diesen Kauf ermöglichte.

 

Tetraplegikerin Hati

KurdAid besuchte auch Hati (Tetraplegikerin). Es war leicht zu erkennen, dass ihr die Eintönigkeit ihres Zimmers grosse Mühe machte. Mithilfe eines Spenders konnte ihr KurdAid einen schönen farbigen Perserteppich besorgen, welcher ihrem Zimmer einen fröhlichen Eindruck verlieh.

Zudem belastete sie die Tatsache, dass sie wegen der räumlichen Trennung laut schreien musste, um von ihren Familienmitgliedern gehört zu werden. Ihre Nerven lagen an diesem Besuchstag deswegen blank. KurdAid besorgte ihr deshalb eine Gegensprechanlage, womit sie sich leichter hörbar machen konnte.

Mit Stolz und voller Freude teilte sie mit, dass sie den letztjährigen Rat von KurdAid in die Tat umgesetzt habe und bis jetzt drei lange Geschichten aufgeschrieben habe, die mehr als 1'000 Seiten ausmachen würden. Die Idee des Geschichteschreibens hat sie in der Diskussion mit KurdAid noch weiter entwickelt und will nun versuchen, Kurzgeschichten für Kinder zu schreiben.

KurdAid stellte ihr deshalb ein gebrauchtes Laptop eines Spenders zur Verfügung, womit sie ihre Geschichten elektronisch speichern und dadurch möglicherweise zum Verkaufzwecken drucken (lassen) kann. KurdAid konnte ihr eine Dame vermitteln, welche ihr das Arbeiten mit dem Laptop beibringen wird.

 

Mit 11 Jahren für die Familie sorgen

Auf der Besuchsliste von KurdAid stand eine weitere Familie, welche mit vier Kindern in einem Armenviertel wohnte. Eines der Kinder war behindert, ein anderes, ca. 11 Jahre alt, arbeitete neben der Schule bei einem Schneider. Der Vater und die Mutter sind arbeitslos und haben praktisch kein Einkommen.Zur Förderung des Familieneinkommens und der Berufsfähigkeiten des Buben kaufte KurdAid eine Nähmaschine und stellte sie der Familie zur Verfügung.

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Jahr 2006

     

 

Verein zum Schutze von Frauen und Mädchen in Kurdistan (VSFM)

Während des Aufenthalts in Mai 2006 lernte KurdAid den obgenannten Verein mit Sitz in Sanandaj kennen (nachfolgend VSFM). Der Vorstand besteht aus 11 Frauen, welche seit 2001 in dieser NGO aktiv sind.

 

Die Tätigkeiten von VSFM

Diese sind:

  • Aufklärungs- bzw. Öffentlichkeitsarbeit (Workshops/Plakaten/Flyers/...) im Zusammenhang mit
     

a) Gewalt an Frauen und Mädchen in der Familie

b) Frauenrechte

c) Zwangsheirat

d) Diskriminierung

e) Notwendigkeit der Schulbildung

f) Drogenprävention

 

Oeffentlichkeitsarbeit
  • Sammeln von Spenden
  • Finanzielle und rechtliche Unterstützung von vorwiegend allein erziehenden Frauen. In April 2007 waren dies:
 

Anzahl

Anzahl minderjähriger Kinder

Verlassene

39

50

Geschiedene

26

39

Witwe

8

13

Mädchen über 18

13

 

Mädchen unter 18

5

 
 
 
 

Total

91

102

VSFM richtet zudem je nach finanzieller Möglichkeit Zuschüsse an finanzschwache Studentinnen aus. Bis zum April 2007 waren 19 Studentinnen beim VSFM registriert.

  • Förderung der Erwerbsfähigkeit der allein erziehenden Frauen, indem sie an diverse Werk- und Ausbildungsstätte vermittelt werden.
  • Organisieren von Sportanlässen und Aktivitäten zum Tag der Frau
  • Einrichtung einer Lehrwerkstatt zur Förderung der Selbständigkeit der Frauen.

KurdAid hat bereits im Laufe des Jahres 2006 nachfolgende Anschaffungen für die oben erwähnte Lehrwerkstatt besorgt und diese dadurch vollumfänglich ausgerüstet. Es sind diverse Nähmaschinen, Schneide- und Bügelgeräte, Wärme- und Kühlsysteme, Stoff zum Nähen, Tische und Stühle sowie ein Telefongerät.

Die Lehrwerkstatt konnte somit nach etwa fünf Monaten seit deren Gründung die Arbeiten im Laufe November 2006 aufnehmen. Es sind unter der Leitung einer Fachfrau bisher (Stand April 2007) acht Frauen in den Genuss einer Ausbildung als Näherin gekommen.

KurdAid hat ferner anlässlich eines Erfahrungsaustausches in Sachen Buchführung und Ziel orientiertes Arbeiten entsprechendes Know-how an VSFM vermittelt.

Ende 2006 besuchten wir abermals die Lehrwerkstatt, welche fortan von einer ausgebildeten Leiterin geführt wurde. Unter ihrer Leitung hatten gerade drei Mütter mit einer Ausbildung angefangen.

Anlässlich vier intensiver Sitzungen wurde die Zukunft der Lehrwerkstatt und die Rolle der beteiligten Akteure sowie die Form der Zusammenarbeit zwischen VSFM und KurdAid diskutiert. (Diese Diskussionen dauerten bis ins 2007 hinein, wobei das Konzept für die Lehrwerkstatt ausführlicher definiert wurde und ein entsprechender Zusammenarbeitsvertrag zustandekam). Nachdem KurdAid sich diesbezüglich mit dem VSFM einigen konnte, sicherte KurdAid weitere finanzielle Unterstützung zu, nämlich die Übernahme der Mietkosten, des Salärs der Leiterin und der Praktikumslöhne der drei Mütter. Des Weiteren organisierte KurdAid zur finanziellen Entlastung der Praktikantinnen und der Leiterin deren Beförderung von Zuhause zur Lehrwerkstatt und zurück. Dazu diente das Auto, das KurdAid letztes Jahr besorgte.Diese Unterstützung wurde in Dezember vorläufig für eine Probezeit von drei Monaten gewährleistet. (Nach der positiven Bilanz dieser Zeit konnte die weitere Unterstützung für das Jahr 2007 zugesagt und ein entsprechender Zusammenarbeitsvertrag abgeschlossen werden).

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Jahr 2007

 

Verein zum Schutze von Frauen und Mädchen in Kurdistan (VSFM)

 

Wir haben in 2007 den Frauenverein VSFM auf zwei Ebenen tatkräftig unterstützt. Zum einen finanziell und zum anderen mit Know-how, vor allem in Sachen Buchführung.

Kernpunkt unserer Unterstützung in 2007 lag bei der Lehrwerkstatt des Frauenvereins VSFM. Dank eurer finanziellen Unterstützung war die Lehrwerkstatt bis Ende 2006 technisch vollständig ausgerüstet. Ab 2007 galt es, diese Lehrwerkstatt auch im Hinblick auf eine Ausbildung funktionsfähig zu machen. Dazu waren ein Konzept sowie weitere finanzielle Unterstützung und das Mitwirken sämtlicher Akteure notwendig. Wir vereinbarten mit dem VSFM, dass wir während einer Probezeit von drei Monaten, sämtliche Kosten wie das Salär der Leiterin, die Praktikantinnenlöhne, die Miete und die Materialkosten übernehmen würden.


Während dieser Zeit hat sich herausgestellt, dass die junge Leiterin nicht die richtige Person war, sie kündigte und machte sich selbständig. Eine neue Leiterin zu finden war nicht ganz einfach, gelang dem Frauenverein mit viel Fleiss aber doch noch. Zeitgleich arbeiteten wir mit VSFM gemeinsam an einem ausführlichen Konzept für die Lehrwerkstatt. Da wir nicht vor Ort waren, mussten wir die vorhandenen Kommunikationsmittel nützen. Es lag somit in der Natur der Sache, dass wir sehr viel Zeit benötigten. Nach unzähligen Faxen, Telefonaten und E-Mails konnten wir mit dem Frauenverein ein Konzept für die Lehrwerkstatt ausarbeiten. Basierend darauf schlossen wir einen Zusammenarbeitsvertrag ab (gültig ab 21.3.2007 bis 20.3.2008).

Die Eckpfeiler des Vertrages sind:

  • Abschluss eines sechsmonatigen Praktikums als Schneiderin, von jeweils sechs Praktikantinnen unter der Leitung einer Fachfrau
  • Mithilfe des Frauenvereins beim Erwerb eines entsprechenden staatlichen Diploms für die Absolventinnen;
  • Unsere weitere Finanzierung der Praktikantinnenlöhne, der Kinderzulagen, des Salärs der Leiterin, der Miete der Lehrwerkstatt, etc.;
  • Gemeinsame Aufsicht über die Lehrwerkstatt;
  • Unsere weitere finanzielle Unterstützung für das Büro des Frauenvereins (Übernahme der Miete und des Salärs der Büroangestellte);
  • Mithilfe von KurdAid beim Startkapital, wenn sich die Absolventinnen nach Erhalt des Diploms selbständig machen würden.

Es waren zwar ursprünglich pro Semester sechs Praktikantinnen vorgesehen. Im Bewusstsein der Schwierigkeiten, die den schutzbedürftigen Frauen im Wege standen, wurden mehr als sechs Praktikantinnen pro Semester aufgenommen. Sie konnten so aus ihren vier Wänden raus und den Versuch wagen, ihr Leben in die Hand zu nehmen. Dieser Weg war nicht einfach und so gelang es nicht allen, die Ausbildung zu Ende zu bringen oder die Abschlussprüfung zu bestehen. Die eine war offenbar doch nicht so motiviert ein Diplom zu erwerben; eine andere wurde von ihrem Ehemann dermassen schikaniert und misshandelt, dass sie nicht mehr wagte, ihren Zufluchtsort bei den Eltern zu verlassen; eine weitere wurde kurz vor dem Prüfungstermin von ihrem getrennten Mann spitalreif geschlagen, sodass sie nicht mehr im Stande war, die Prüfung abzulegen, etc. So bedeutete für die meisten Frauen bereits der regelmässige Besuch der Lehrwerkstatt eine grosse Herausforderung. Dennoch schafften es die allermeisten, bis zum Schluss ihres Praktikums die Lehrwerkstatt zu besuchen, und mehreren gelang es, die Prüfung zu bestehen.

Drei Monate nach der ersten Praktikumsperiode waren Ende 2007 Fachprüfungen des Arbeitsamtes. Gemäss Auskunft der Präsidentin des Frauenvereins konnten von den ersten sechs Praktikantinnen zwei die Prüfung bestehen und das Fachdiplom erwerben. Im zweiten Semester war das Ergebnis viel besser, fünf der Praktikantinnen erwarben das Diplom. In einem zweiten Alauf bestanden weitere drei die Fachprüfung. Somit erwarben zehn der von uns unterstützten zwölf Praktikantinnen das Diplom des Arbeitsamtes.

Einer dieser Praktikantinnen wurde dank der Mithilfe von KurdAid eine Nähmaschine besorgt, womit sie zuhause zu produzieren begann. Drei weitere wollten sich laut Auskunft des Frauenvereins verselbständigen, wir werden ihre Projekte nach Erhalt prüfen und entsprechende Unterstützung gewähren.

Es ist unser Ziel, den VSFM bzw. die Praktikantinnen derart zu stärken, dass in Zukunft möglichst alle die Lehrabschlussprüfung bestehen. Leider ist es aber weder uns noch dem VSFM möglich, die Hauptprobleme wie beispielsweise Gewalt in der Familie zu lösen. Dennoch werden wir mit dem Frauenverein gemeinsam die Lage analysieren und Lösungsansätze für noch mehr Lehrabgängerinnen suchen und das bisherige Konzept zu verbessern versuchen.

Hinsichtlich der Basisarbeit haben wir den Frauenverein in Sachen Buchführung in relativ kurzer Zeit sehr viel Erfahrung übermitteln können. Heute besitzt er anstelle unübersehbarer Aktenstücke eine überschaubare, elektronische Datenbank über die betreuten Frauen, sowie die Ein- und Ausgaben. Dennoch steht auch da noch viel Arbeit an, da die technische Handhabung solcher Datenbanken derzeit rudimentär ist.

Weitere finanzielle Unterstützung richteten wir an den VSFM selbst. Wir übernahmen sowohl die Miete des Büros vom Frauenverein wie auch das Salär der Büroangestellten. Diese Unterstützung war dringend notwendig, denn die einheimischen Spenden gingen laut der Vereinspräsidentin aufgrund der rasant gestiegenen Lebenskosten markant zurück.

Während bis zum April 2007 insgesamt 110 Frauen und Mädchen unter dem Schutzdach vom VSFM standen, waren es im April 2008 gesamthaft 152 Frauen – die Anzahl zu betreuender Kinder stieg während einem Jahr von 102 auf 141 (mehr dazu vgl. unten stehende Tabelle). Dieser Tabelle kann entnommen werden, welche Frauen vom VSFM betreut werden:

  Anzahl Anzahl minderjähriger Kinder

Verlassene

44

58

Geschiedene

38

55

Witwe

16

20

Verheiratet

3

8

Mädchen über 18

25

 
Mädchen unter 18

4

 

Studentinnen

22

 

 
 
 
Total
152
141

 

Mit der freien Spende der Stiftung IRENE organisierte der VSFM zum einen eine Tagung zum Thema Frauenrechte. Mehr als 50 Frauen nahmen an dieser Tagung teil. Es referierten zwei Frauen und ein Rechtsanwalt; Kostenpunkt ca. 40% der Spende.

Der Rest der Spende wurde an mittellose Studentinnen und Schülerinnen zur Förderung ihrer Schulung ausgerichtet.

 

Ehem. Verein/Heim OMID

Anlässlich unseres vorletzten Besuches hat uns der Amtsvorsteher der Vormundschaftsbehörde versprochen, die Anschaffungen, die wir dem inzwischen aufgelösten Verein bzw. Heim Omid gegeben hatten, zurückzuholen. Das Versprechen blieb unerfüllt, der Amtsvorsteher war bei unserer Ankunft in August 2007 nicht mehr im Amt. Da uns der neue Amtsvorsteher nicht bekannt war und wir auch keine Lust mehr auf leere Worte hatte, suchten wir selbst nach den Sachen, und wurden fündig. Wir fanden nicht nur einen beachtlichen Teil unserer Anschaffungen sondern am gleichen Ort auch die Kinder des ehm. Heims Omid; alle waren in einem neuen Heim. Das Wiedersehen war eine echte Freude, den Kindern ging es offenbar in diesem Heim viel besser. Von der Heimleitung erhielten wir eine Bestätigung für den Erhalt von zwei Computern und zwei Tiefkühlschränken, die vom aufgelösten Verein Omid abgeholt worden waren. Die von KurdAid gekauften Sachen kommen somit weiterhin den Kindern zu Gute. Die neue Heimleitung stellte uns in Aussicht, uns einen Bericht und eine Jahresrechnung nachzusenden, damit wir prüfen, ob wir diesem Heim Unterstützung gewähren könnten. Ob mit diesem Heim eine Zusammenarbeit zustande kommt, muss noch geprüft werden.

 

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Jahr 2008

 

Verein zum Schutze von Frauen und Mädchen in Kurdistan (VSFM)

Wir haben auch in 2008 den Frauenverein VSFM tatkräftig unterstützt. Kernpunkt unserer Unterstützung in 2008 lag wie bis anhin beim gemeinsamen Projekt „die Lehrwerkstatt“.

Die Entwicklungsstadien der Lehrwerkstatt

Die Geschichte dieses Projekts geht zurück auf Mai 2006, als wir den VSFM zum ersten mal kennen lernten. Bis anhin haben wir zwei Phasen dieses Projekts erlebt, eine letzte steht uns noch bevor. Die erste war die Startphase, in welcher das Fundament gelegt wurde. Die Werkstatt wurde technisch ausgerüstet, die Akteure wurden bestimmt und ein Konzept wurde ausgearbeitet.

Es begann mit einer Nähmaschine

Als dann folgte die Phase der eigentlichen Arbeiten. Erste Erfahrungen wurden gesammelt und ausgewertet. Nach dem ursprünglichen Konzept sollte in der Lehrwerkstatt nebst der Ausbildung auch produziert und verkauft werden. Mit der Zeit und den dadurch gewonnenen Erfahrungen wurde dieses Konzept dahingehend modifiziert, dass grundsätzlich nur ausgebildet werden sollte.

In der ersten Ausbildungsperiode 2007/2008 waren zwei Ausbildungszyklen à +6 Praktikantinnen und in jener von 2008/2009 waren zwei Ausbildungszyklen à +9 Praktikantinnen geplant.
Bisher haben gesamthaft 33 Praktikantinnen die Lehrwerkstatt besucht, von denen bis zum heutigen Zeitpunkt (Stand Juni 2009) 10 die Abschlussprüfung des Arbeitsamtes bestanden haben, was angesichts der schwierigen Lebensumstände der Praktikantinnen eine sehr erfreuliche Nachricht ist. Während dieser Zeit sind auch 20 Kinder in den Genuss von Kinderzulagen gekommen.

Die letzte Phase des Projekts ist die Herausforderung, die finanzielle Selbständigkeit der Frauen markant zu verbessern. Bisher konnte drei der Frauen eine Stelle vermittelt und einer eine Nähmaschine besorgt werden, womit sie zuhause produziert. Es ist uns ein Anliegen, in 2009 diese Phase der finanziellen Selbständigkeit der Frauen stärker zu fördern.

Weiteres zur Lehrwerkstatt

Aufgrund der Rückmeldung, dass die Praktikantinnen häufig hungrig und übernächtigt zur Arbeit erscheinen, haben wir einen Kühlschrank für die Lehrwerkstatt besorgt und ein Budget für die Pausenverpflegung zugesprochen. Die Praktikantinnen organisieren im Rahmen dieses Budgets ihre Pausenverpflegung selbst.

Die Lehrwerkstatt musste anfangs 2008 umgezogen werden. Neue Räumlichkeiten zu finden war sehr zeitaufwendig und schwierig. Die Miete der neuen Lokalität war, wie befürchtet, viel höher. Damit der Frauenverein aufgrund der schwachen einheimischen Spendenlage nicht zusätzlich belastet und ihr evt. auch diese Räumlichkeit gekündigt wird, übernahmen wir die ganze Miete.

Das Büro vom Frauenverein

Die Miete für dieses Büro und das Salär der Büroangestellte werden nach wie vor von KurdAid finanziert.

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Jahr 2009

 

Verein zum Schutze von Frauen und Mädchen in Kurdistan (VSFM)

 

Wir haben in 2009 das Büro des Frauenvereins VSFM wie auch das gemeinsame Projekt „die Lehrwerkstatt" finanziell tatkräftig unterstützt.Im Jahr 2009 wurden zwei Ausbildungszyklen durchgeführt. Sehr erfreulich ist, dass in der letztjährigen Ausbildung 12 Praktikantinnen die Prüfung des Arbeitsamtes bestanden haben und somit diplomierte Näherinnen sind.


Weniger erfreulich ist die Bilanz nach Abschluss des Ausbildungszyklus. Unseres Wissens haben die wenigsten frisch ausgebildeten Frauen eine Stelle gefunden. Bis dahin hatten zwar mehr als 30 Praktikantinnen die Lehrwerkstatt besucht und fast ein Drittel von ihnen die Abschlussprüfung des Arbeitsamtes bestanden. Wie bereits im Jahresbericht 2008 erwähnt, wurde deshalb im Jahr 2009 versucht, die finanzielle Selbständigkeit der Frauen stärker zu fördern, indem sie ermutigt wurden, Projekte zur Selbständigkeit anzupacken. Allerdings hat sich trotz der verstärkten Bemühungen nur eine gewagt, sich selbständig zu machen (Nachtrag im August 2010: Diesbezüglich konnten wir anlässlich unseres nächsten Besuches im Juni 2010 doch noch viel bessere Resultate feststellen, worüber im nächsten Jahresbericht zu berichten sein wird).

Anlässlich des Besuches im August 2009 besprachen wir die Lage und insbesondere die Situation nach Abschluss der Ausbildung mit der Leitung bzw. Aufsicht der Lehrwerkstatt und den Praktikantinnen und Absolventinnen vor Ort. Die Frauen berichteten, dass eine Selbständigkeit unter den gegebenen Umständen für sie kaum zu erreichen sei. Zum einen würde ihnen das notwendige Geld fehlen. Die versprochenen Ausbildungszuschüsse, die Anerkennungsprämie und das Startkapital würden für die hohen Mietkosten und insbesondere für die Mietkaution nicht genügen. Damit die Miete eines Ladens bzw. eines Ateliers finanziell tragbar wäre, müsste ein Dritter sich als Bürge zur Verfügung stellen. Zudem sei für ein solches Geschäft eine behördliche Bewilligung nötig, welche angesichts der behördlichen Willkür und ohne Schmiergeld sehr lange auf sich warten liesse. Ein weiteres Problem ist, dass die Frauen in Sachen Geschäftsführung und Marketing gar keine Erfahrungen haben und deshalb den Schritt in die Selbständigkeit fürchten.

Im Gespräch mit den Beteiligten kam die Idee auf, die Ausbildungszuschüsse und die Anerkennungsprämie erst nach Erwerb des Diploms auszubezahlen und zwar gemeinsam mit dem Startkapital. Trotz der Schwierigkeiten wollten sowohl die Frauen, wie auch die Leitung am Konzept der Förderung der Selbständigkeit festhalten. Besprochen wurde auch die Idee, dass zwei oder mehrere Frauen zusammen gemeinsam ein Projekt verwirklichen könnten. Die Anträge für Projekte zur Selbständigkeit sollten einer Kommission zur Prüfung vorgelegt werden.

Kurz nach dem Abschluss des Ausbildungsjahres gingen sechs Gesuche um Finanzierung von Projekten bei der Präsidentin des Frauenvereins ein. Es geht dabei um Absolventinnen, die bei sich zuhause ein Nähatelier einreichten wollen. Wir werden auch dieses Jahr nach Kurdistan reisen und anschliessend über diese Projekte berichten. Wir werden auch versuchen, mit den Akteuren vor Ort weitere Ideen zur Förderung der finanziellen Selbständigkeit der Frauen zu prüfen, wobei das Potenzial und die Möglichkeiten der Frauen besser genutzt werden müssen. Wie dies umzusetzen ist, steht auf unserer Agenda für das Jahr 2010. Eine Idee wäre z.B., dass wir Unternehmen, welche die Absolventinnen anstellen, für eine begrenzte Zeit finanzielle Anreize z.B. im Sinne einer Lohnkompensation, bieten würden. Eine andere wäre, das Angebot an der Schulung bzw. Ausbildung auszuweiten und den Frauen bzw. deren Kindern in diesem Sinne eine grössere berufliche Entwicklungsmöglichkeit zu gewähren.

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Jahr 2010

 

Die Lehrwerkstatt

Dank der Spenden aus der Schweiz tragen wir nach wie vor die Fixkosten der Lehrwerkstatt. Es sind dies der Mietzins und das Salär der Lehrerin.

Die Entwicklungsphasen der Lehrwerkstatt und deren Früchte

Die Lehrwerkstatt hat bisher drei Phasen durchlaufen:

Erste Phase: Startphase

Vom Mai 2006 bis Dezember 2006 wurde das Fundament gelegt, indem die Werkstatt technisch ausgerüstet, die Akteure bestimmt und ein Konzept ausgearbeitet wurde.

Zweite Phase: Ausbildung

Im Ausbildungsjahr 2007/2008 fanden 2 Ausbildungszyklen à +6 Praktikantinnen statt, wobei von den gesamthaft +12 Praktikantinnen 7 die Prüfung des Arbeitsamtes bestanden und das Diplom als Näherin erwarben.

Im Ausbildungsjahr 2008/2009 sah das Ergebnis besser aus: 2 Ausbildungszyklen à +9 (= gesamthaft +18) Praktikantinnen, von denen 12 das Diplom erwarben.

Das Ausbildungsjahr 2009/2010 war ebenso fruchtbar wie im Vorjahr. Im ersten Ausbildungszyklus besuchten 8 Praktikantinnen die Lehrwerkstatt, von denen 6 das Diplom erwarben (vgl. Bild).

Im zweiten Ausbildungszyklus 2009/2010 waren es 9 Praktikantinnen, vondenen 5 die Prüfung des Arbeitsamtes bestanden und das Diplom erwarben.

Gesamthaft besuchten somit in den letzten drei Ausbildungsjahren 50 Praktikantinnen (inkl. einige Ausfälle) die Lehrwerkstatt, von denen 30 das Diplom erworben haben.

Dritte Phase: Selbständigkeit realisieren

In dieser Phase, beginnend ab dem zweiten Jahresquartal von 2009, wurde/wird versucht, die finanzielle Selbständigkeit der Frauen, die das Diplom erworben haben, stärker zu fördern, indem sie ermutigt wurden/werden, Projekte zur Selbständigkeit anzupacken. Gleichzeitig werden Möglichkeiten gesucht, dass den ausgebildeten Frauen längerfristig eine Anstellung vermittelt werden kann. Nachfolgend berichte ich über die diesbezüglichen Projekte und unsere Hilfeleistung.

Die Projekte der Absolentinnen, unsere Hilfeleistung

Wir haben im Sommer 2010 erfreut festgestellt, dass die Bemühungen sehr konkrete Ergebnisse hervorgebracht haben. Einige der Absolventinnen haben ihr eigenes Projekt auf die Beine gestellt und arbeiten entweder bei sich zuhause oder im eigenen Nähatelier. Wir besuchten einzelneFrauen und inspizierten ihre (nach Ausbildungsabschluss) bereits realisierten Projekte. Dabei haben wir folgende Frauen, deren Namen wir aus Persönlichkeitsgründen abgeändert haben, finanzielle Hilfe überreicht und/oder versprochen:

1. Galawej

Sie ist eine junge Mutter eines kleinen Buben und wohnt mit sieben amilienmitgliedern in einer Ein-Zimmerwohnung. Sie hatte bereits die Prüfung des Arbeitsamtes bestanden und schon mit dem Nähen bei sich zuhause angefangen, bevor sie von uns finanzielle Mittel erhalten hatte, was für ihren Fleiss spricht.

Ihre Nähemaschine hatte sie mit Schulden finanziert. Sie hat uns anlässlich unseres Besuches berichtet, dass ihre Kundinnen es aus Angst vor bösen Zungen von Nachbarn vorziehen, in das Geschäft einer Freundin, einer Coiffeuse, zu kommen, um ihre Kleider dort anzuprobieren.

Sie erhielt von uns einen Betrag zum Erwerb der Nähmaschine und von weiteren für ihre Arbeit nötigen Materialien.

2. Sonia

Sie wohnt mit ihrer geschiedenen Mutter zusammen und hat vier Schwestern, die im Sommer zu ihr bzw. zu ihrer Mutter kommen. Der Vater zahlt keine Alimente für die Dauer des Aufenthalts der Kinder bei der Mutter und ist wieder verheiratet. Die Mutter ist Putzfrau auf Abruf.

Sie erhielt von uns finanzielle Mittel zum Kauf einer gewünschten Nähmaschine sowie Stoff zum Nähen.

3. Chiman

Sie hat die Ausbildung mit Bravour bestanden. Ihre Mutter ist Hausfrau, der Vater Saisonarbeiter (Bau).

Sie hat drei Geschwister und ist diplomierte Bauzeichnerin, konnte jedoch aus finanziellen Gründen nicht an die Universität gehen. Sie wollte aber unbedingt die Aufnahmeprüfung antreten. Sie hatte sich eine kleine Nähmaschine besorgt und nähte mit dieser auch. Sie erhielt von uns Startkapital. Zudem übernahmen wir die Gebühren der Aufnahmeprüfung der Universität. Nachdem sie mit dem Studium angefangen hatte, erhielt sie weitere Unterstützung.

4. Maria

Sie ist 29-jährig und Mutter eines 9-jährigen Mädchens, das beim Vater wohnt und nur einmal im Monat zu Maria darf. Maria hat 6 Geschwister, von denen drei bei ihr wohnen. Ihr Vater ist Arbeiter auf Abruf. Die ohnung besteht aus zwei kleinen Zimmern.
In der Ecke eines der Zimmer ist eine schmale offene Küche, in der Maria ihr Nähatelier bestehend aus zwei Nähemaschinen eingerichtet hat. Sie näht mit ihrer Schwester Sara zusammen. Ihre Nähmaschinen waren mit Schulden finanziert. Die Aufträge nehme sie vom Bazar entgegen und erde pro Stück entschädigt.

Wir übergaben Maria das Doppelte des normalen Startkapitals, da sie auch Sara beschäftigte. Zudem besorgten wir ihr eine (gebrauchte) Nähemaschine, welche ursprünglich Fatima gehörte (vgl. unten Ziffer 7).

Ihre Schwester, Sara, war im letzten Jahr der Sekundarschule. Für Schulmaterial gaben wir ihr im Sommer 2010 ein Stipendium. Eben so viel erhielt sie im Dezember 2010, da sie die Aufnahmeprüfung für die Universität bestanden hatte.

5. Sharmin

Ebenfalls eine fleissige Absolventin. Ihr Vater ist gestorben, die Mutter ist Hausfrau.

Sie hat mit viel Fleiss in einem Dorf in der nahen Umgebung von Sanandaj ein Nähatelier auf die Beine gestellt, wofür sie noch die Hälfte der Kosten ihrem Schwager schuldete. Sie hatte eine junge Angestellte.
Der Vermieter des Ateliers verlangte nach wenigen Wochen 50% mehr – soviel zum Mieterschutz in Kurdistan.Wir haben ihr, da sie eine weitere Person beschäftigte, das Doppelte des bereits versprochenen Startkapitals überreicht. Zugesichert haben wir ihr zudem weitere finanzielle Hilfe, damit sie ihre Schulden vollumfänglich abbauen kann.

Weitere finanzielle Unterstützung versprachen wir ihr zum Kauf von Stoff, damit sie auch unabhängig von der Kundschaft produzieren kann. Da sie keine Werbung kannte, dies aber nötig hatte, sicherten wir ihr weitere Unterstützung zu, zwecks Werbung für ihr niedliches Nähatelier.

6. Sara

Sie war im letzten Sommer noch in der Ausbildungsperiode und wollte ab Herbst, ihre Mittelschule weiterhin besuchen. Sie hatte noch drei Semester, also anderthalb Jahre bis zum Diplom, vor sich. Wir versprachen ihr nebst den mit der Ausbildung gekoppelte Hilfe zusätzlich die Ausrichtung eines Stipendiums pro Schulsemester zu. Bis Ende 2010 hat sie jedoch aus uns noch unbekannten Gründen von diesem Angebot nicht Gebrauch gemacht.

7. Fatima

Ihr Vater ist Arbeiter, ihre Mutter Hausfrau. Sie wohnt mit ihrer rossen Familie in einem Dorf in der Nähe der Stadt.

Auch sie hat ein niedliches Nähatelier auf die Beine gestellt und war ebenso wie Sharmin sehr erfolgreich.Wir haben ihr auf Wunsch eine leistungsfähigere Nähmaschine besorgt. Im Gegenzug hat sie ihre leistungsschwächere Nähemaschine Maria (Ziffer 4 oben) geschenkt.

8. Arzu

Sie ist eine junge Mutter eines kleinen Mädchens, das beim Vater wohnt. Ihr eigner Vater, ein Maurer, verunfallte auf einer Baustelle und ist seither invalid, ohne dass ihm der ehem. Arbeitgeber oder eine Versicherung eine Entschädigung ausrichten würde. Die Mutter leidet an Amnesie. Alle drei bewohnen eine kleine Ein-Zimmerwohnung in einem armen Quartier. Vom Staat erhalten sie einen sehr kleinen Betrag, der auch sehr unregelmässig ausbezahlt wird.

Arzu hat einen Bruder und eine Schwester, die beide auf eigene Faust zu studieren versuchen. Die Schwester stehe kurz vor Universitätsantritt, erzählte uns Arzu.

Arzu hatte sich eine kleine Nähemaschine besorgt und produzierte auch sonstige Sachen wie z.B. Plastikblumensträusse.Sie erhielt von uns Startkapital, und ihre Schwester vorderhand einen kleinen Betrag zur Förderung ihrer Motivation - und noch mehr, falls sie mit dem Studium anfängt.

9. Asrin A.

Sie ist eine 23-jährige Studentin. Ihre Mutter ist Hausfrau und ihre kleine Schwester geht noch zur Schule. Die Rente ihres pensionierten Vaters beträgt ca. 416 CHF monatlich (=ca. 308 Euro = ca. 4'000'000 Rial), was für einen Haushalt von vier Personen sehr tief ist.

Asrin war im 5. Semester der Universität und hatte noch weitere 3 Semester vor sich. Sie wird diplomierte Hebamme. Die Semestergebühr beträgt ca. 872 CHF (=ca. 646 Euro = ca. 8'400'000 Rial). Da sie sich dies nicht leisten kann und nur ratenweise was zahlen kann, schuldet sie der Uni eine Menge.Wir haben ihr für die drei verbliebenen Semester finanzielle Hilfe zugesichert. Die erste Rate für das Herbstsemester 2010 hat sie von uns bereits erhalten.

Garantierte Arbeitsplätze bei "Kok"

Bereits letztes Jahr wollte die Lehrerin unserer Lehrwerkstatt wissen, ob sie mit unserer finanziellen Unterstützung rechnen könnte, falls sie eine eigene Produktionsstätte errichten würde. Da wir in der Anfangsphase der Zusammenarbeit mit ihr waren, konnten wir ihrem Wunschnicht entsprechen. Inzwischen hat sie sehr viele Praktikantinnen durch die Prüfung des Arbeitsamtes gebracht und dadurch unser Vertrauen gewonnen. Im Sommer 2010 stand sie kurz vor der Realisierung ihres Projekts und fragte uns abermals nach Mithilfe.

Nach einer gemeinsamen Besprechung mit der Präsidentin des Frauenvereins, der Lehrerin und den anwesenden Absolventinnen wurde ein Vertrag mit folgendem Inhalt mit der Lehrerin abgeschlossen:

  • Vier der industriellen Nähmaschinen der Lehrwerkstatt werden der Lehrerin für ihr eigenes Projekt leihweise übergeben. Dafür stellt sie der Lehrwerkstatt ihre eigenen fünf bis sechs kleineren, für denUnterricht geeigneten Nähemaschinen ebenfalls leihweise zur Verfügung. Jede Seite ist für die Reparatur und den Unterhalt ihrer Maschinen selbst verantwortlich;
  • Die Lehrerin garantiert den Absolventinnen der Lehrwerkstatt vier unbefristete und drei befristete Arbeitsplätze.Diese Vereinbarung ist zeitlich auf sechs Monate befristet und wird bei Erfüllung sämtlicher Punkte um weitere sechs Monate verlängert.
Zwei Tage nach der Unterzeichnung des Zusammenarbeitsvertrags wurde die Eröffnung der Produktionsstätte „Kok“ gefeiert. Im März 2011 erreichte uns die Nachricht, dass acht der bisherigen Absolventinnen in der Kleiderproduktionsstätte „Kok“, einen Arbeitsplatz gefunden haben.

 

Teppich-knüpfen bei „PAI“

Eine weitere Möglichkeit zur Förderung der Selbständigkeit der Frauen besteht darin, das Angebot der Ausbildung auszuweiten und den Frauen damit grössere berufliche Entwicklungsmöglichkeiten zu gewähren. Diese Idee setzten wir in Zusammenarbeit mit einem privaten Ausbildungsinstitut für Frauen (PAI) um.

Im Ausbildungsinstitut, das seit seinem dreizehnjährigen Bestehen von einer Frau geleitet wird, werden diverse Kurse unter anderem im Teppich-Knüpfen und Nähen angeboten.Im Sinne eines Pilotprojekts wurden in unserem Auftrag fünf finanzschwache Frauen in der Kunst desTeppich-Knüpfens ausgebildet. Die Ausbildung dauerte drei Monate.

Vier der fünf Absolventinnen haben die Prüfung des Arbeitsamtes bestanden und das Diplom erworben. Zwei von ihnen möchten bei sich zuhause arbeiten. Dafür benötigen sie gemäss Auskunft der Institutsleiterin finazielle Unterstützung. Wir sind derzeit dran, die Realisierbarkeit dieser Projekte zu prüfen.

Garantierte Arbeitsplätze bei PAI

In Zusammenarbeit mit der Leiterin von PAI streben wir weitere Arbeitsplätze für unsere Absolventinnen der Lehrwerkstatt an. Die Idee ist, dass PAI in seinen Räumlichkeiten eine Produktionsstätte für Kleider einrichtet. Dazu werden Nähmaschinen und entsprechende Einrichtungen und sonstige Geräte benötigt. Wir sind mit der Leiterin so verblieben, dass wir den Kredit im oben erwähnen Umfang gewähren werden. Im Gegenzug verpflichtet sich PAI, die Arbeitsplätze unseren Absolventinnen zur Verfügung zu stellen. Dieses Projekt ist derzeit in der Realisierungsphase und wir werden nach unserem nächsten Besuch auch hierüber berichten.

Das Büro vom Frauenverein VSFM

Wir finanzieren weiterhin die Miete für das Büro des Frauenvereins und das Salär der Büroangestellte. Des Weiteren haben wir dem Frauenverein auf seinen Gesuch hin die Finanzierung von Drucksachen zwecks Öffentlichkeitsarbeit ermöglicht.

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Jahr 2011

 

Wir haben in diesem Jahr nicht mehr wie früher "nur" das Projekt Lehrwerkstatt sondern auch viele andere Personen und Projekte zu betreuen gehabt. Darunter sind die Zusammenarbeit mit "PAI" und das Monitoring der sozialen Projekte der Studentinnen, welche wir finanziell unterstützt haben. Und nun zu den Projekten:

1. Die Lehrwerkstatt

Wie gewohnt besuchten wir auch im letzten Sommer die Lehrwerkstatt, die wir gemeinsam mit dem Frauenverein (Verein zum Schutz von Frauen und Mädchen in Kurdistan, VSFM), seit gut fünf Jahren auf die Beine gestellt haben. Dank der Spenden aus der Schweiz haben wir die Fixkosten der Lehrwerkstatt, wie namentlich die Miete, das Salär der Lehrerin, Stoff zum Nähen und Verpflegung für die Praktikantinnen getragen. Zur Erinnerung: Bis Ende des Ausbildungsjahres 2009/2010 besuchten gesamthaft 50 Praktikantinnen (inkl. einige Ausfälle) die Lehrwerkstatt, von denen 30 das Diplom erworben haben.

Anlässlich des Besuchs im Sommer 2011 bat uns die Lehrerin, eine kleine industrielle Nähmaschine zur Vorbereitung der Prüfung zu besorgen, was wir innert kürzester Zeit auch machten.

Im Ausbildungsjahr 2010/2011 nahmen zwei Gruppen von Praktikantinnen an der Ausbildung teil; in der ersten Gruppe waren es 7 und in der zweiten 5 Frauen. Von der ersten Gruppe, die mehrheitlich Analphabet waren, hat nur eine die Hälfte der zweiteiligen Prüfung bestanden - die andere Hälfte ist noch (Stand ebruar 2012) pendent. Leider viel zu spät hat die Aufsicht vor Ort gemerkt, dass die Lehrerin der Aufgabe nicht gewachsen war, zumal sie auch die zweite Gruppe schlecht auszubilden versuchte. In Absprache mit allen wurde beschlossen, dass eine neue Lehrerin gesucht werden musste, was erst anfangs Februar 2012 gelang.

Die Miete der Lehrwerkstatt wurde, als wir noch im Sommer 2011 dort waren, über Nacht um 25% erhöht. Mitte Oktober erreichte uns die Nachricht, dass der Vermieter trotz höherer Miete den Mietvertrag aufgekündigt hat, weshalb die Lehrwerkstatt umgesiedelt werden musste. Um dennoch die Ausbildung der Praktikantinnen zu gewährleisten, wurden einige von ihnen in unserem Auftrag an das Ausbildungsinstitut PAI verwiesen (vgl. unten unter Ziffer 2.4, PAI). Mit PAI arbeiten wir seit letztem Jahr zusammen, indem sie auf unseren Auftrag erstmals fünf Frauen in der Kunst des Teppich-Knüpfens ausbildete.

 

2. Die Projekte der Näherinnen

Trotz des oben erwähnten Misserfolgs in der letzten Ausbildungsperiode haben wir auch Erfreuliches mitzuteilen. Wir haben im Sommer 2011 folgende Näherinnen und deren Projekte besucht.

2.1. Fatima

Fatima ist 32-jährig und ledig. Wir haben sie auch letztes Jahr besucht und unterstützt.
Sie hat ein niedliches Nähatelier auf die Beine gestellt und ist sehr erfolgreich. Wir haben ihr auf Wunsch eine leistungsfähigere Nähmaschine besorgt. Im Gegenzug hat sie ihre leistungsschwächere Nähmaschine der Absolventin Maria geschenkt.

Dank sehr viel Fleiss konnte sie im Sommer 2011 ein grösseres Nähatelier beziehen. Sie hat zwei Frauen, die für sie auf Abruf und im Akkordlohn arbeiten. Unter der Bedingung, dass sie eine der Frauen fix anstellt, besorgten wir ihr eine industrielle Nähmaschine.
Gegen Ende Jahr erfuhren wir, dass keine der beiden Frauen bei ihr geblieben waren. Aus diesem Grund wandte sich Fatima an den Frauenverein VSFM, der ihr leider keine der früheren Absolventinnen vermitteln konnte, da diese alle in der Stadt wohnhaft sind nicht und ins Dorf zu Fatima arbeiten gehen wollten. Nun wird Fatima versuchen, eine Frau aus ihrem Dorf für eine Ausbildung beim VSFM zu gewinnen, so dass diese nach der Ausbildung bei ihr im Dorf arbeiten kann.

2.2. Nahid N.

Sie ist eine der Absolventinnen unserer Lehrwerkstatt, die während eines Jahres in der Produktionswerkstatt "Kok" (siehe weiter unten) für Marketing zuständig war.

Im Sommer 2011 teilte sie uns mit, dass sie sich von Kok trennen und selbständig machen wolle und ob wir ihr dabei finanziell behilflich sein könnten. Sie beantragte bei uns einen Kredit, womit sie die Betriebsbewilligung für ihr Unternehmen finanzieren wollte. Unter der Bedingung, dass sie eine der Absolventinnen anstellen würde, wurde ihrGesuch gutgeheissen. Zudem erhielt sie von uns ein Startkapital im Umfang der Hälfte des Kredits, was wir ihr wegen der Ausbildung bereits in Aussicht gestellt hatten. Gemäss aktuller Auskunft ist Nahid dran, ihre kleine Produktionsstätte auszubauen. Hierüber werden wir zu einem späteren Zeitpunkt zu berichten habe.

2.3. Faranak M.

Sie ist eine 35-jährige Absolventin aus dem letztjährigen Ausbildungsjahr. Sie hat eine Tochter im Primarschulalter. Sie hatte schon eine Nähmaschine besorgt und arbeitete damit bei sich zu Hause.Sie erhielt von einen Startkapital. Auch für die Schulung ihrer Tochter erhielt sie von uns Unterstützung (vgl. weiter unten unter "Studentinnen und Schülerin").

 

2.4. Sairan & Nasrin N.

Sairan ist 28-jährig und absolvierte letztes Jahr die Ausbildung zur Näherin. Sie hat zwei Schwestern und vier Brüder.

Sie hatte schon eine kleine Nähmaschine besorgt und arbeitet mit ihrer Schwester Nasrin zusammen in der Wohnung. Sie nehmen Aufträge vom Bazar entgegen und erledigen diese bei sich zu Hause. Beiden haben wir einen Startkapital zum Ausbau ihrer Tätigkeit überreicht.

2.5. Kobra Sh.

Kobra ist 47-jährig, geschieden und Mutter von Rojin (siehe unten unter "Studentinnen und Schülerin"). Sie nimmt Aufträge vom Markt und privaten Kundinnen entgegen und erledigt diese mit sehr viel Fleiss bei sich zu Hause.

Auf ihr Gesuch gewährte wir ihr einen Kredit, womit sie sofort ein gewünschtes Dampfbügeleisen für ihr Atelier kaufte.

2.6. Hasiba

Sie ist Mutter zweier Kinder und wird von ihrem Mann regelrecht unterdrückt. Auf unsere Empfehlung absolvierte sie letztes Jahr die Ausbildung in der Lehrwerkstatt. Für sie besorgten wir eine Nähmaschine.

 

3. Arbeitsplätze bei KOK

Mit der ehemaligen Lehrerin unserer Lehrwerkstatt vereinbarten wir im Sommer 2010, dass wir ihr die vier industriellen Nähmaschinen der ehrwerkstatt ausleihen. Im Gegenzug garantierte sie, in ihrer neu errichteten Produktionsstätte (Kok) den Absolventinnen der Lehrwerkstatt vier unbefristete und drei befristete Arbeitsplätze anzubieten.

Als wir Kok im Sommer 2011 besuchten, war die Produktionsstätte voll im Betrieb. Nahid, eine unserer Absolventinnen war dort Marketingmanagerin. Nebst ihr waren weitere fünf Absolventinnen und ein junger Mann als Meisterschneider am Arbeiten. Wir haben somit bis dahin zur Schaffung von sieben Arbeitsplätzen beigetragen. Von den Frauen waren gemäss der Leiterin zwei sozialversichert. Im Spätsommer verliess Nahid mit dem Schneidermeister nach Meinungsverschiedenheiten mit der Leiterin von Kok die Produktionsstätte – gemeinsam mit dem Meisterschneider gründete Nahid ihre eigene Produktionsstätte (dazu weiter oben). Gegen Ende Jahr erfuhren wir, dass weitere Frauen Kok verlassen haben und durch andere ersetzt worden sind. Wir werden anlässlich unseres nächsten Besuches Kok abermals inspizieren und hierüber berichten.
Nachtrag vom Dezember 2012: Da sich KOK an die ursprüngliche Vereinbarung mit uns nicht mehr halten konnte und auch eine Verbesserung trotz Mahnfrist nicht in Sicht war, haben wir die Zusammenarbeit mit ihr aufgekündigt und unsere Nähmaschinen zurückgeholt.

 

4. Ausbildungsinstitut PAI

 

4.1. Absolventinnen

In Zusammenarbeit mit PAI haben wir letztes Jahr fünf, in bescheidenen Verhältnissen lebenden Frauen, eine Ausbildung im Teppich-Knüpfen ermöglicht. Vier von ihnen konnten die Prüfung des Arbeitsamtes erfolgreich ablegen. Anlässlich des Besuches im Sommer 2011 sprachen wir mit diesen drei Frauen. Es sind dies:

a. Shanaz

Sie ist Mutter eines 10-jährigen Jungen und wohnt mit ihrem arbeitslosen Mann in einer bescheidenen Zwei-Zimmer-Mietwohnung in einem armen Quartier. Wir haben ihr im Sommer 2011 mit tatkräftiger Unterstützung der Leiterin von PAI ein kleines Atelier bestehend aus einem Gerüst, diversen Geräten und Stoffen bei ihr zu Hause ermöglicht und hierfür (sowie für das Projekt von Najiba) ein Budget zur Verfügung gestellt. Shanaz hatte vor, sechs kleine Teppiche zu knüpfen. Gegen Ende Jahr erhielten wir die Nachricht, dass sie ihr Ziel erreicht hatte.

Teppich-Knüpferinnen gelten als selbständigerwerbend und müssen deshalb selbst für ihre Sozialversicherung (darunter die Altersrente) aufkommen, was Leute wie Shanaz in der Startphase ihres Unternehmens unmöglich tun können. Wir haben ihr deshalb die Übernahme der monatlichen Beiträge für die Sozialversicherung während eines Jahres zugesichert.

b. Najiba

Sie absolvierte ebenfalls letztes Jahr die Ausbildung zu Teppich-Knüpferin. Da sie derzeit in einer hellhörigen Wohnung sei, wo das gewöhnlich laute Teppich-Knüpfen aus Rücksicht auf die Nachbarn nicht möglich sei, werde sie anstatt Teppiche so genannte Gemäldeteppiche (kleinere Teppiche, die umrahmt werden und an der Wand aufgehängt werden) knüpfen. Hierfür gewährten wir ihr finanzielle Unterstützung sowie die Übernahme der monatlichen Beiträge für die Sozialversicherung während eines Jahres.

c. Asrin S.

Auch sie ist eine Absolventin der letztjährigen Ausbildung. Anstelle eines Startkapitals für ein Atelier hat sie uns um Unterstützung bei ihrem Studium ersucht. Sie sei im letzten Semester des Psychologie-Studiums und möchte sich hierauf konzentrieren. Näheres dazu erfahren Sie in diesem Bericht unten unter "Studentinnen".

 

4.2. Weitere 15 Praktikantinnen

Da die Ausbildung in unserer eigenen Lehrwerkstatt im letzten Jahr ins Stocken geriet, erweiterten wir unsere Zusammenarbeit mit PAI, damit die Praktikantinnen nicht zu kurz kommen. Im Ausbildungsinstitut "PAI" werden derzeit in unserem Auftrag zehn Praktikantinnen im Nähen und weitere fünf im Teppich-Knüpfen ausgebildet. Diese Praktikantinnen haben in April/Mai 2012 Prüfungen. Darüber werden wir im nächsten Bericht orientieren.

 

4.3. Garantierte Arbeitsplätze

Letztes Jahr haben wir eine Zusammenarbeit mit PAI angestrebt, mit dem Ziel, weitere Arbeitsplätze für schutzbedürftige Frauen zu schaffen. Die Idee ist, dass PAI in seinen Räumlichkeiten eine Produktionsstätte für Kleider einrichtet. Dazu haben wir drei leistungsstarke Nähmaschinen (eine davon eignet sich nur für nebensächliche Arbeiten), ein Pressbügeleisen und eine grosse Schere besorgt. Ferner haben wir die Kosten der Betriebsbewilligung übernommen, da die Lehrauftragslage des Instituts dieses Jahr nicht rosig war.

Im Gegenzug zur oben erwähnten Unterstützung verpflichtet sich PAI, die zwei geschaffenen Arbeitsplätze den Absolventinnen unserer Lehrwerkstatt zur Verfügung zu stellen. Die Beiträge für die Sozialversicherung der beiden Mitarbeiterinnen während eines Jahres werden wir übernehmen.

Soweit ist PAI aber noch nicht. Denn auch bis Ende 2011 war die Leiterin von PAI trotz anfänglicher Zusicherung noch immer unermüdlich dran, die bürokratischen Hürden für die Betriebsbewilligung zu überwinden. Aus diesem Grund auch konnte die Produktionsstätte noch nicht in Betrieb genommen werden.

 

5. Studentinnen und Schülerin

Dieses Jahr haben wir aber eine Vereinbarung mit den Studentinnen getroffen: Sie werden im Gegenzug drei finanzschwachen Frauen und/oder Mädchen unter die Arme greifen. Diese könnten beispielsweise alte, pflegebedürftige Frauen, oder Studentinnen bzw. Schülerinnen sein, welche Hilfsunterricht benötigen, oder aber auch unsere eigenen Absolventinnen, welche in der Buchhaltung ihres Unternehmens Mühe haben, sein. Mit dieser Vereinbarung bezwecken wir die Stärkung der sozialen Verantwortung der Studentinnen und möchten ihnen das Gefühl geben, dass sie durch diese wertvollen Arbeiten ihren Studienzuschuss verdienen und nicht schlichte Spendeempfängerinnen sind.

Es sind dies:

5.1. Asrin S.

Sie absolvierte letztes Jahr die Ausbildung bei PAI zur Teppich-Knüpferin. Da sie in ihrem letzten Studienjahr war – sie studierte Psychologie – und sich lieber auf den Studienabschluss konzentrieren wollte, haben wir ihr die letzte Semestergebühr übernommen. Die Prüfung hat sie bestanden, nun ist sie dran, ihren Master anzutreten.
Ihre versprochene und erfüllte soziale Gegenleistung: sie stellte drei Frauen in den Räumlichkeiten von PAI ihre Dienste zur Verfügung, indem sie ihnen die Kunst des „Klaschbafi“ (einheimische Schuhen, die mit Hacken gemacht werden) vermittelte.

5.2. Asrin A.

Sie ist 25-jährig und wird voraussichtlich im Frühling 2012 diplomierte Hebamme. Wir haben sie auch letztes Jahr mit der Übernahme ihrer Semestergebühren finanziell unterstützt. Sie hat im Herbst 2011 ihr letztes Studiensemester angetreten, und dieses zwischenzeitlich erfolgreich abgeschlossen. Die Gebühren des Herbstsemesters haben wir ebenfalls übernommen. Sie hat im Winter 2011 den praktischen Teil des Studiums absolviert und wird im Frühling 2012 die Abschlussprüfungen antreten.
Ihre versprochene und erfüllte soziale Gegenleistung: sie hat in Zusammenarbeit mit einer einheimischen gemeinnützigen Organisation einigen Frauen, die unter dem Schutzdach dieser Organisation stehen, geeignete Unterstützung angeboten, indem sie sich bei der Sammlung und Verteilung von (Natural)Spenden einsetzte.

5.3. Asso

Sie schloss letztes Jahr die Ausbildung zu Näherin ab. Sie wurde mit vierzehn verheiratet, ist heute 25-jährig, hat ein achtjähriges Kind und ist seit sechs Jahren geschieden.

Sie hat ihr Schuldiplom in Buchhaltung und trat im Herbst 2011 das zweite Semester eines dreijährigen Studiums im Fach Buchhaltung an.
Ihre versprochene und erfüllte Gegenleistung: sie hat ihr Know-how in der Buchhaltung drei Frauen zur Verfügung gestellt.

5.4. Kobra A.

Sie ist 30-jährig und eines von fünf Kindern einer als Putzfrau arbeitenden Mutter, der Vater ist pensioniert und arbeitsunfähig. Sie studiert Englisch und hat im Herbst 2011 ihr letztes Semester angetreten.
Ihre versprochene und erfüllte soziale Gegenleistung: sie wird drei Studentinnen unterer Semester Hilfsunterricht geben.

Gegen Ende Jahr erfuhren wir, dass sie ein weiteres Semester benötigt, da sie im letzten Semester wegen Chaos in der Schulungsorganisation (ausgefallene Lehrer) nicht alle Studieneinheiten habe absolvieren könnte.

5.5. Nasim

Sie ist zwanzigjährig und hat zwei Schwestern, von denen eine noch zur Schule geht und wie Nasim bei den Eltern lebt. Ihr Vater ist Fahrer und ihre Mutter Lehrerin im Teilpensum, beide verdienen zusammen knapp mehr als die Semestergebühr von Nasim. Nasim hat im Herbst 2011 das zweite Semester eines vierjährigen Studiums der französischen Sprache angetreten. Für beide Semester hat sie von uns finanzielle Untgerstützung erhalten.
Ihre versprochene soziale Gegenleistung: sie würde einer einheimischen „Organisation für Nierenkranke“ in administrativen Aufgaben beistehen. Da diese nicht klappte, stellte sie uns weitere Dienste an Bedürftigen in Aussicht, die sie ebenfalls nicht zu erbringen vermochte. Sie hat somit ihre Versprechen nicht eingehalten. Wir sind deshalb mit ihr so verblieben, dass sie keine weiteren finanziellen Zuschüsse mehr erhält, solange sie die adäquaten Gegenleistungen nicht erbracht hat.

5.6. Rojin A.

Sie ist die Tochter einer der Absolventinnen der Lehrwerkstatt, Frau Kobra Sh., die wir im Jahre 2011 einmal mehr besuchten und weitere Unterstützung übergaben (vgl. weiter oben). Da ihre Eltern geschieden sind, pendelt Rojin zwischen zwei Wohnungen.
Sie hat im Herbst 2011 ihr Studium der Buchhaltung, das sie seit vorletztem Jahr aus finanziellen Gründen aufgeben musste, dank Spenden aus der Schweiz wieder aufgenommen. Ihr haben wir die Studiengebühren abgenommen. Auf ihren nachträglichen Antrag gewährten wir ihr zudem für Schulmaterial weitere Unterstützung.
Ihre versprochene soziale Gegenleistung: Sie hat sich laut eigenen Angaben an die Vormundschaftsbehörde gewandt mit dem Ziel, einigen Mädchen in einem Mädchenhaus das Haare-Schneiden beizubringen. Das Amt wollte jedoch ihr Angebot aus uns unverständlichen Gründen nicht annehmen. Daraufhin stellte sie uns in Aussicht, stattdessen zwei alte, alleinstehende Frauen zu besuchen und ihnen ihre Hilfeleistung anbieten.
Im Winter 2011 erfuhren wir, dass sie sich verlobt und die Fächer dermassen unregelmässig besucht hatte, dass sie ausgeschlossen wurde. Wir haben vergeblich versucht, sie direkt zu kontaktieren, um noch mehr zu erfahren. Mangels Reaktionen ihrerseits werden wir deshalb weitere Hilfe an sie einstellen müssen.

5.7. Sara

Sie ist die Schwester von Maria, einer sehr fleissigen Absolventin, über die wir schon im Jahresbericht 2010 berichtet haben – Maria hat inzwischen wieder geheiratet und betreibt mit ihrem Mann ein Nähatelier.

Sara wohnt derzeit mit ihren Eltern; der Vater ist Arbeiter auf Abruf und die Mutter knüpft Teppich zu Hause. Sara hat die Sekundarschule abgeschlossen und im Dezember 2010 die Aufnahmeprüfung für die Universität bestanden, wofür wir ihr auch schon damals finanziell unter die Arme gegriffen haben. Sie hat im Herbst 2011 das zweite Jahr des vierjährigen Studiums in Mathematik angetreten. Ihr Schulweg beträt drei Stunden.
Für die erste Semestergebühr und die Gebühr der sechs Studieneinheiten, die sie im Sommer 2011 besuchte, hatte sie eine offene Rechnung, die wir beglichen. Ferner haben ihr für das Herbstsemester 2011 weitere Zuschüsse ausgerichtet. Für das nächste Semester werden wir sie weiterhin finanziell unterstützen.
Ihre versprochene soziale Gegenleistung: Sie wird einem Mädchen Hilfsunterricht in Mathematik geben und einem anderen das Nähen beibringen. Sie hat nicht nur dass, sondern darüber hinaus zwei weiteren Mädchen das Nähen beigebracht.

 

5.8. Chiman

Im Herbst 2011 hat sie das dritte Semester als angehende Bauzeichnerin antreten. Wir haben ihr bisher das Studium finanziert. Da jedoch ihr Vater seit einiger Zeit als Maurer arbeitet und viel besser verdient und Chiman deshalb auch nicht mehr unter dem Schutz des Frauenvereins steht, werden auch wir die bisherige finanzielle Unterstützung einstellen.

 

5.9. Die Tochter von Faranak M.

Faranak absolviertes letztes Jahr in unserer Lehrwerkstatt die Ausbildung zu Näherin. Auf ihr Ersuchen übergaben wir ihr einen Zuschuss zur finanziellen Unterstützung ihres Kleinkindes in der Primarschule.

 

6. Das Büro vom Frauenverein VSFM

Wir leisten weiterhin einen Beitrag an die Miete des Büros vom Frauenverein. Zudem übernehmen wir das Salär der Büroangestellte.

 

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Jahr 2012

Wir haben mangels Aufsicht vor Ort die Lehrwerkstatt, welche wir gemeinsam mit dem Frauenverein VSFM auf die Beine gestellt hatten, schliessen müssen. Dennoch ist es, wie unten zu lesen sein wird, uns gelungen, vielen Frauen weiterhin eine Ausbildung zu ermöglichen.

 

1. Ausbildungsinstitut PAI

PAI ist ein Ausbildungsinstitut, welches seit mehreren Jahren von einer Frau geführt wird. Dort werden Kurse im Nähen, Computer, Buchhaltung und Teppich-Knüpfen angeboten. Dank dem Engagement der Leiterin und ihren Lehrerinnen sind bisher in unserem Auftrag 70 Frauen in den Genuss einer Ausbildung gekommen.

Unsere Zusammenarbeit geht auf das Jahr 2010 zurück, als PAI zunächst in einem Pilotprojekt in unserem Auftrag 5 in bescheidenen Verhältnissen lebende Frauen im Teppich-Knüpfen ausbildete, von denen 4 die Prüfungen des Arbeitsamtes bestanden.

Da die Ausbildung in unserer eigenen Lehrwerkstatt letztes Jahr ins Stocken geriet, erweiterten wir unsere Zusammenarbeit mit PAI, damit die Ausbildung der finanzschwachen Frauen weiterhin gewährleistet bleibt. Im Ausbildungsinstitut "PAI" wurden deshalb Seit November 2011 bis Ende 2012 weitere 23 Frauen im Teppich-Knüpfen und 42 im Nähen ausgebildet.

In den letzten Zweieinhalbjahren seit unserer Zusammenarbeit mit PAI genossen somit im Nähen 42 und im Teppich-Knüpfen 28 Frauen, gesamthaft also 70 Frauen eine Ausbildung. Erworben haben bisher gesamthaft 38 Frauen das Diplom (17 im Teppich-Knüpfen und 21 im Nähen). 16 der Praktikantinnen haben die Prüfungen noch nicht angetreten und weitere 16 sind durchgefallen (5 von ihnen wird im April die Prüfung abermals antreten).

Bis Ende 2012 wurden für 12 der Absolventinnen Nähmaschinen gekauft und ihnen auch abgebeben. Für den Rest wird anfangs 2013 gesorgt.

Der Leiterin von PAI wurde trotz unermüdlichen Bemühungen die Betriebsbewilligung für eine Produktionsstätte leider nicht erteilt. Die Idee hinter der Produktionsstätte stammte von uns, damit wollten wir einige Arbeitsplätze für die Absolventinnen schaffen. Für diese Bewilligung hatten wir PAI bereits einen Kredit gewährt. Zudem hatten wir ihr drei Nähmaschinen zur Verfügung gestellt, mit der Auflage, sie müsste in der Produktionsstätte drei der Absolventinnen anstellen. Mangels Betriebsbewilligung haben wir von PAI den Kredit hierfür zurückerhalten. Da die Leiterin die Nähmaschinen für die Ausbildung einsetzen wollte, traten wir ihr diese zum Anschaffungspreis ab. Der zurückerstattete Kredit und der Erlös der Nähmaschinen werden zur Beschaffung von Gerüsten und Stoffen für die Absolventinnen im Teppich-Knüpfen verwendet.

 

2. Die Projekte der Näherinnen

2.1 Nahid

Nahid N. ist geschieden und hat eine kleine Tochter. Sie ist eine der Absolventinnen unserer Lehrwerkstatt, welche die Ausbildung vor zwei Jahren abgeschlossen hat. Sie war noch im Sommer 2011 die Marketingmanagerin von der Produktionsstätte Kok. Sie trennte sich jedoch von Kok und schaffte es, dank sehr viel Fleiss und Ehrgeiz, sich selbständig zu machen. Als ich sie im Februar 2012 besuchte, erzählte sie mir von ihrer Absicht, die Produktionsstätte zu erweitern.

Sie hatte für das Startkapital einer Absolventin, das wir ihr gewährt hatten, vereinbarungsgemäss eine Frau angestellt, die aus familiären Gründen kurz vor unserem Besuch im Februar 2012 ihre Stelle aufgegeben hatte. Im November 2012 besuchten wir die neue, erweiterte Produktionsstätte von Nahid. Dort arbeiteten zehn Frauen, zwei von ihnen waren leicht invalid.

Um weitere Schulden bei Banken, die Kredite zu wucherischen Zinsen gewähren, zu verhindern, gewährten wir ihr ein zinsloses Darlehen über 70 mio. Rial (= ca. 2‘000 E) abzahlbar innert 1 Jahr. Im Gegenzug hat sie eine von uns gewünschte Verbesserung der Arbeitsbedingungen (Lüftung sowie Kissen für die Bänke der Arbeitnehmerinnen) innert kürzester Zeit realisiert.

2.2 Kobra A.

Sie ist eine unserer ersten Absolventinnen, eine 48-jährige, häuslicher Gewalt bedingt geschiedene Mutter. Sie arbeitet bei sich zu Hause in Akkordlohn für andere Produzenten im Markt sowie für ihre eigenen privaten Kundinnen. Letztes Jahr ergänzten wir ihr Atelier auf Wunsch um ein Dampfbügeleisen, im November 2012 hätte es ein Schneidertisch sein sollen, den sie noch nicht (Stand: März 2013) hat besorgen können.

2.3 Jila

Sie ist dreissig jährig und arbeitet schon für eine Näherin. Sie hat vor, mit einer anderen Näherin eine kleine Produktionsstätte auf die Beine zu stellen und sich so selbständig zu machen. Zu diesem Zweck hat sie vor, zuerst eine Betriebsbewilligung zu erwirken. Mit ihr sind wir so verblieben, dass wir sie unterstützen werden (sei es mit einer unseren industriellen Nähmaschinen oder sei es mit einem Kredit), sobald sie die Betriebsbewilligung hat.

 

3. Studentinnen und Schülerinnen

Auch letztes Jahr haben wir einige Schülerinnen bzw. Studentinnen finanziell unterstützt, wobei wir auch die Spende der Stiftung Irene verwendet haben. Mit den Studentinnen vereinbaren wir jeweils, dass sie im Gegenzug möglichst drei finanzschwachen Frauen und/oder Mädchen unter die Arme greifen. Diese könnten beispielsweise alte, pflegebedürftige Frauen, oder Studentinnen bzw. Schülerinnen sein, welche Hilfsunterricht benötigen, oder aber auch unsere eigenen Absolventinnen, welche in der Buchhaltung ihres Unternehmens Mühe haben, sein. Mit dieser Vereinbarung bezwecken wir die Stärkung der sozialen Verantwortung der Studentinnen und möchten ihnen das Gefühl vermitteln, dass sie durch diese wertvollen Arbeiten ihren Studienzuschuss verdienen und nicht schlichte Spendeempfängerinnen sind.

Es sind dies:

1. Asrin A.
Im Frühling 2012 hat sie erfolgreich ihre Abschlussprüfungen als Hebamme bestanden. Die von uns übernommene Prüfungsgebühr betrug fast so viel wie eine Monatsrente ihres pensionierten Vaters. Wir erfuhren von ihr, dass sie während der ganzen Zeit, als sie im Spital als Lernende gearbeitet hatte, kein Anrecht auf einen Praktikumslohn hatte. Als Voraussetzung für die Prüfung musste sie fünfzig Babys auf die Welt bringen helfen. Als sie die Prüfung bestanden hatte, wurde sie angehalten, für jede der Geburten 100‘000 Rial, somit gesamthaft 5‘000‘000 Rial, d.h. weit über eine Monatsrente ihres Vaters, dem Spital zahlen. Ihr Protest nützte anfänglich nichts. Es sei Gesetz, war die Antwort der Spitalleitung. Sie blieb aber stur und weigerte sich erfolgreich, für die Gratisarbeit auch noch zu zahlen. Obwohl es den Behörden klar war, dass sie die Prüfung bestanden hatte, durfte sie keine neue Stelle antreten, bis ihr Diplom von der Hauptstadt offiziell ausgestellt war. Sie ist also seit Monaten zwangsarbeitslos, ohne Entschädigung.

2. Kobra A.
Ihre Mutter ist Putzfrau und arbeitet auf Abruf, ihr pensionierter, arbeitsunfähiger Vater starb in 2012. Kobra studierte Englisch, wobei wir sie finanziell unterstützten. Im November 2012 hat sie ihr Studium erfolgreich absolviert.

3. Asra
Asra (15 j) hat im Januar 2012 ihre Mutter verloren. Sie lebt mit ihrer älteren Schwester und ihrem pensionierten Vater zusammen. Asra ist eine sehr fleissige Schülerin in der ersten Klasse der Sekundarschule. Aus diesem Grund, so erzählte uns der Vater, wollte die Erziehungsdirektion das Bild von Asra nebst anderen begabten Schülerinnen in der Zeitung publizieren, so wie sie das immer wieder machen. Dann aber habe man Asra gefragt, ob sie von einer Basiji- (=Miliz) oder Märtyrerfamilie sei. Auf ihre negative Antwort wurde ihr die Anerkennung in der Zeitung verweigert, was Asra als eine schmerzhafte Diskriminierung empfand. Die Familie muss seit dem Tod der Mutter mit weniger Einkommen auskommen. Auf Grund des Todes der Mutter wird die Rente des Vaters gekürzt. Da die Rente des Vaters nicht ausreicht, geht er einer Teilzeitarbeit nach. Wir unterstützen Asra in ihrer Schulung finanziell.

4. Sara

Sie ist eine sehr fleissige Studentin. Sara unterstützen wir von Anbeginn ihres Studiums. Im November 2012 stand sie im fünften Semester ihres vierjährigen Studiums in Mathematik.Für das ihr gewährte Stipendium hat sie anfangs drei Frauen das Nähen beigebracht und sie gab zudem einem Mädchen Hilfsunterricht.

Neuerdings unterrichtet sie vier Stunden in der Woche die kurdische Sprache (an der Universität in einer Gemeinschaft namens Dialog der Kulturen).Sie hat in der bescheidenen elterlichen Wohnung in einem armen Quartier ein kleines Nähatelier auf die Beine gestellt, wo sie in Akkord Kleidungsstücke für den Markt näht.

5. Asrin S.
Sie ist 25-jährig und Absolventin von PAI, wo sie mit unserer Unterstützung das Teppich-Knüpfen erlernte. Sie hat im Jahre 2011 ihr Psychologie-Studium beendet; ihre letzte Semestergebühr übernahmen wir. Ihre versprochene soziale Gegenleistung hierfür: Sie hat ihre Dienste drei Frauen in den Räumlichkeiten von PAI zur Verfügung gestellt, indem sie ihnen die Kunst des „Klaschbafi“ (einheimische Schuhen, die mit Hacken gemacht werden) vermittelte.

Im Februar 2012 hat sie uns von ihrer Absicht, ihr Master auch noch zu absolvieren, erzählt. Als wir uns im November 2012 nach dem Stand ihres Master-Studiums erkundigten, teilte sie uns mit, dass sie aus finanziellen Gründen die erforderlichen Bücher, die sie für die Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfung benötigte, nicht habe kaufen können. Ihr haben wir beim Erwerb der nötigen Bücher finanziell unter die Arme gegriffen. Gemäss aktueller Auskunft hat sie anfangs Februar 2013 die Aufnahmeprüfung angetreten und wird erst drei Monate später über das Resultat erfahren.

6. Najiba
Sie ist 53-jährig und hat als eine der ersten die Ausbildung zu Teppich-Knüpferin bei PAI absolviert. Nebst dieser Ausbildung haben wir ihr ein kleines Atelier zum Knüpfen von sog. Bilder-Teppichen bei sich zu Hause finanziert. Derzeit besucht sie die zweite Klasse der Sekundarschule für Erwachsene, wobei wir sie finanziell unterstützen.

7. Asso
Sie ist 26j-jährig und wurde bereits mit vierzehn verheiratet. Sie hat sich scheiden lassen und hat ein neunjähriges Kind, das beim Vater lebt. Asso hat uns im November 2012 erzählt, vor kurzem habe ein Mann sie heiraten wollen, aber dessen Familie habe vehement dagegen protestiert, dass er eine geschiedene Frau heiraten wollte. Aus diesem Grund gab der Mann dem Druck seiner Familie nach. Geschiedene Frauen werden geächtet, so Asso. Sie habe sich nach Rücksprache mit dem Lehrer des Sohnes und nachdem sie „böse Zungen der Leute“ ausgesetzt gewesen sei entschieden, den Kontakt mit dem Sohn abzubrechen. Sie tröstet sich damit, dass ihr Sohn von dessen Stiefmutter lieb behandelt werde. Asso lebt derzeit mit ihren Eltern und weiteren zwei Schwestern und zwei Brüdern zusammen. Die Mutter ist Hausfrau und der Vater Handlanger auf Baustellen.
Sie schloss in 2010 in unserer Lehrwerkstatt die Ausbildung zu Näherin ab und wollte hernach unbedingt studieren. Sie hat alsdann mit dem Studium der Buchhaltung begonnen und war im Herbst 2011 im 2. Semester, dessen Prüfungen sie mit sehr guten Noten bestand. Im Sommer 2013 wird sie ihr Studium auf Stufe eines nationalen Nachdiploms abschliessen.
Wir haben sie von Anfang an in ihrem Studium finanziell unterstützt. Zudem übergaben wir ihr im Februar 2012 einen PC, der von einem unserer Mitglieder gespendet wurde.
Ihre versprochene und erbrachte Gegenleistung: Sie hat ihr erworbenes Know-how in Buchhaltung drei weiteren Frauen zur Verfügung gestellt. Für weitere finanzielle Unterstützung unsererseits wird sie drei Frauen in Umgang mit dem Computer behilflich sein.

8. Azar
Sie ist eine der jüngeren Schwester von Asso (oben, Ziffer 7). Sie war im November 2012 in der dritten Klasse der Sekundarschule, wo sie noch ein Jahr zu absolvieren hat. Sie ist sehr fleissig in der Schule, was ihre Noten bezeugten. Sie möchte später Jura studieren, so Azar uns gegenüber. Ihre versprochene Gegenleistung für das Stipendium besteht darin, einigen Kindern in Arabisch Hilfsunterricht zu geben.

9. Samira
Shahin absolvierte bei PAI die Ausbildung zu Teppich-Knüpferin. Sie arbeitet nebst dem Teppich-Knüpfen bei sich zu Hause auch als Putzfrau auf Abruf. Sie hat eine 19-jährige Tochter namens Samira, die studieren wollte, aber zwei Mal an den Aufnahmeprüfungen scheiterte. Wir haben ihr versprochen, ihr bei der gewünschten Ausbildung (Bauzeichnerin) unter die Arme zu greifen. Im Gegenzug wird von ihr im ersten Semester keine soziale Gegenleistung erwartet, in der Hoffnung, sie konzentriert sich auf die Ausbildung besser.

10. Rojin
Fatima absolvierte bei PAI die Ausbildung zu Teppich-Knüpferin. Auch ihre 20-jährige Tochter, Rojin, absolvierte eine Ausbildung als Näherin; sie musste jedoch den praktischen Teil der Prüfung wiederholen.
Sie hat vor, die Aufnahmeprüfung eines Studiums in Medical Engineering im Sommer 13 anzutreten. Mit ihr sind wir so verblieben, dass falls sie die Aufnahmeprüfung im Sommer besteht, sie ein Stipendium von uns erhalten wird.

11. Dian (Kleinkind)
Bahareh machte bei PAI die Ausbildung zu Näherin. Wir haben ihr finanzielle Unterstützung für die Schulung ihrer Tochter Dian gewährt.

12. Fahima M.

Sie ist 20 jährig, hat drei Geschwister, der Vater ist Handlanger, die Mutter Hausfrau. Sie hat bereits drei Semester ihres vierjährigen Studiums in Psychologie erfolgreich abgeschlossen; wir haben alle drei Semestergebühren übernommen. Aus gesundheitlichen Gründen, die für uns anlässlich des Besuches in November 2012 ganz offensichtlich waren, war sie bis dahin nicht in der Lage gewesen, irgendeine soziale Gegenleistung zu erbringen. Im Frühling 2013 wird sie das vierte Semester antreten.

13. Soma
Ihr Vater ist Strassenverkäufer, ihre Mutter leidet an Diabetes und ist ausfrau. Die Eltern haben vier Kinder. Soma studiert Landwirtschaft an der Universität und war im Februar 2012 im zweiten Semester – sie hatte noch 6 Semester vor sich. Eine ortsansässige gemeinnützige Organisation hatte bisher ihre Studiengebühren übernommen. Auf Ersuchen beider besorgten wir Soma einen Computer.
Ihre versprochene soziale Gegenleistung: eine alte pflegebedürftige Dame pflegen und zwei Nachbarkindern Hilfsunterricht geben.

14. Nasim
Sie haben wir letztes Jahr bei ihrem Studium finanziell unterstützt. Da sie aber ihre versprochene soziale Gegenleistung nicht erbracht hatte,wurde eine weitere finanzielle Unterstützung suspendiert.

15. Rojin A.

Im November 2012 erfuhren wir, dass sie ein zweijähriges Sportstudium angetreten hatte.
Ihre versprochene soziale Gegenleistung: zwei schwer invaliden Frauen das Haar zu frisieren.

16. Fereshteh

Sie ist eine der Absolventinnen von PAI. Sie ist 19-jährig. Ihr Vater ist Abwart, ihre Mutter Putzfrau. Fereshteh studiert im 3. Semester Volkswirtschaft. Für die von uns übernommene Semestergebühr gibt sie in den Räumlichkeiten vom Ausbildungsinstitut PAI vier Schulkindern Hilfsunterricht in Englisch. Das sind die Kinder der Praktikantinnen und Absolventinnen von PAI, die sich eine solche Dienstleistung aus finanziellen Gründen nicht leisten können.

17. Hoda
Sie ist 23-jährig und im 1. Semester einer Ausbildung als Dolmetscherin in Englisch. Das Studium dauert 9 Semester.
Ihre versprochene soziale Gegenleistung: sie wird einigen Kindern Hilfsunterricht geben.

18. Parwaneh
Sie war in November noch in der Ausbildung bei PAI und arbeitete als Hausmeisterin. Auf ihr Gesuch wurde ihr zur Schulung ihrer Tochter, die im letzten Jahr der Sekundarschule war, finanzielle Unterstützung zugesichert.

19. Golbaqi J.
Sie ist Mutter zweier Kinder (eines ist unter 18). Sie war eine der Praktikantinnen, die wegen schwachen schulischen Hintergrunds einen späteren Prüfungstermin (gegen Ende Februar 2013) hat. Für die Schulung ihres Kindes wurde ihr finanzielle Unterstützung zugesichert.

20. Hanieh
Sie ist die Tochter der geschiedenen Laila, einer neuen Praktikantin von PAI. Wir haben für die Schulung von Hanieh finanzielle Unterstützung zugesichert.

4. Das Büro vom Frauenverein VSFM

Wir beteiligen uns nach wie vor an der Miete des Büros vom VSFM und übernehmen das Salär von dessen Büroangestellten.

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Jahr 2013

Wir haben unsere Aktivitäten erstmals über die Grenzen der Stadt Sanandaj (Hauptstadt der Provinz Kurdistan, Iran), wo wir bisher tätig waren, ausgedehnt auf zwei weitere Ortschaften, nämlich auf ein Dorf namens Nanala und eine weitere Grossstadt namens Mahabad; wir arbeiteten in 2013 mit zwei Frauenvereinen, einem Ausbildungsinstitut und zwei ansässigen Hilfswerken eng und sehr fruchtbar zusammen.

1. Ausbildungsinstitut PAI

Im Jahr 2013 (Ausbildungsperiode Nov. 2012 bis Nov. 2013) wurden 50 Frauen ausgebildet und zwar 35 im Nähen und 15 im Teppich-Knüpfen. 23 erwarben ihr Diplom im Nähen und 9 in Teppich-Knüpfen. 18 erhielten Nähmaschinen und 5 Teppich-Gerüste.

2. Frauenverein von Mahabad

Dieser Verein wurde vor Jahren in der Stadt Mahabad von Frauen für Frauen gegründet – Mahabad liegt ca. 4 Fahrstunden nördlich von Sanandaj entfernt.

Bei diesem Frauenverein sind mehrere Arbeitsgruppen tätig, die sich für Gesundheitsfragen, Soziale Arbeit, Beratung (Schule, Arbeitssuche, Familienfragen), Umwelt und Förderung der finanziellen Selbständigkeit (Werkstätte in traditionellem Handwerk) einsetzen. Das Zielpublikum besteht hauptsächlich aus alleinerziehenden Frauen, finanzschwachen Studentinnen und Schülerinnen sowie kranken Menschen. Wir haben im Sommer 2013 unsere Zusammenarbeit mit diesem Frauenverein gestartet, indem wir ihn sowohl finanziell wie auch mit Arbeitsinstrumenten (Nähmaschinen) unterstützt, damit auch sie zur Förderung der finanziellen Selbständigkeit der Frauen eine Lehrwerkstatt fürs Nähen auf die Beine stellen können. Zudem haben wir vier ihrer Studentinnen ein Stipendium gewährt, über welche wir unten unter Ziffer 2.6 (Die Stipendien) berichten werden.

Was dieser Frauenverein in den ersten Monaten auf die Beine gestellt hat, ist eine wahre Freude. Er hat unter der Leitung einer Lehrerin und einer Managerin die Werkstatt voll funktionsfähig gemacht und eine optimale Ausnützung erzielt, indem sie dort auch Kleider zum Verkauf produzieren lässt. In einer ersten Phase wurden die Nähmaschinen interessierten Frauen, die unter dem Schutzdach des Vereins standen, in dessen Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Alsdann wurde im Oktober 2013 in der Lehrwerkstatt während zwei Monaten 10 Frauen ausgebildet. Im Dezember 2013 wurde einigen dieser Frauen in der Lehrwerkstatt einen Arbeitsplatz zur Verfügung gestellt. Der Erlös ihrer Produktion kam/kommt vorwiegend ihnen selbst zugute –ein kleiner Teil wird für den Unterhalt und die Materialien verwendet.

Ab Dezember wurde in der einen Tageshälfte ausgebildet (wiederum 10 Frauen während zwei Monaten) und in der anderen Tageshälfte produziert. Eine weitere Ausbildung wurde zwei Monate später durchgeführt. Also im Zeitraum Oktober 2013 bis Ende Februar 2014 kamen 30 Frauen in den Genuss einer Ausbildung als Näherin. Dabei wurde ihnen auch die mit dem Nähen verwandten Künste vermittelt (Kleider für Puppen, Tischbedeckungen etc.).

Die Aufträge generiert der Verein selber, indem er mit Abnehmern (Spitäler, Kliniken etc.) Verträge abschliesst. Er nimmt zudem an Ausstellungen teil (Bild links), an welchen die Produkte verkauft werden.

 

3. Nähe-Ausbildung im Dorf Nanala

Bei unserem Besuch im Sommer 2013 entstand die Idee, dass wir auch in diesem Dorf eine Nähausbildung für finanzschwache Frauen anbieten können; Frauen, die aus finanziellen und familiären Gründen sowie aus Sorge um ihre Sicherheit nicht in die Stadt fahren konnten/wollten, um dort eine entsprechende Ausbildung (bei PAI) zu besuchen. Wir haben in einer ersten Phase in den zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten vier kleine Nähmaschinen platziert, welche die interessierten Frauen für ihre alltäglichen Bedürfnisse benützten konnten. Diesen Frauen wollten wir aber auch eine Ausbildung ermöglichen. Da eine Lehrerin aus der Stadt für diese „Dorfschul-Nähklasse“ zu engagieren nicht einfach war, fanden wir die Lösung in den Ressourcen des Dorfes selber. In diesem Sinne wurden zwei Frauen aus dem Dorf bei PAI ausgebildet, damit sie zeitgleich ihr erworbenes Know-how anderen Frauen in der Dorfschul-Nähklasse zur Verfügung stell(t)en.

Die beiden frisch gebackenen Lehrerinnen unterrichteten eine 15-köpfige Frauengruppe 3-mal wöchentlich jeweils 3 Stunden (9-12 Uhr). Auch hier ist die Gewährung von Kredit an die Absolventinnen zwecks Kaufs von Nähmaschinen für uns ein Thema.


4. Zwei Hilfswerke

Beide Hilfswerke, jeweils vor 3 bzw. 4 Jahren gegründet, widmen sich finanzschwachen Menschen, alt oder jung, krank oder gesund. Sie prüfen in einem ersten Schritt die Bedürftigkeit der Gesuchsteller/innen durch ihre Sozialarbeiter/innen.

Unsere Zusammenarbeit mit ihnen besteht darin, dass sie uns ihre an einer Ausbildung (im Nähen oder Teppich-Knüpfen) interessierten Frauen, sowie Studentinnen vermitteln, damit wir sie nach Möglichkeit unterstützen, indem wir ihnen eine Ausbildung bei PAI ermöglichen resp. ihnen ein Stipendium für ihr Studium gewähren.

5. Einige Projekte der Frauen

1. Nahid N.

Nahid, alleinerziehende Mutter eines kleinen Mädchens und Absolventin unserer Lehrwerkstatt hat sich seit einiger Zeit selbständig gemacht. Im November 2012 gewährten wir ihr einen zinslosen Kredit, zumal sie zehn Frauen beschäftigte und unsere Auflagen für den Kredit (Verbesserung der Arbeitssituation der Frauen) subito erfüllte. Den Kredit hat sie zwischenzeitlich vollständig abbezahlt. Im September 2013 zog sie in einen grösseren Raum um, um ihre Produktivität zu steigern. Auf ihr Gesuch hin haben wir ihr leihweise eine industrielle Nähmaschine zur Verfügung gestellt.

Stand April 2014: Nahid beschäftigte 11 Frauen, von denen 3 an einem Gehörschaden leiden. Sie ersuchte erneut um einen Kredit. Unsere einzige Bedingung, die Anstellung von drei unserer Absolventinnen, hat sie in kurzer Zeit erfüllt.

2. Fatima

Fatima stammt aus bescheidenen Verhältnissen. Dank ihres starken Willens und der Spende aus der Schweiz hat sie ihr eigenes Nähatelier in ihrem Dorf in der Nähe von Sanandaj realisieren und später auch erweitern können.

Stand April 2014: Bei ihr arbeiten derzeit 3 Frauen. Sie beantragte eine weitere industrielle Nähmaschine. In Anerkennung ihrer bisherigen Leistungen und der Schaffung von Arbeitsplätzen finanzierten wir ihr die gewünschte Nähmaschine.

3. Sudabeh

Mit unserem Startkapital und etwas Schulden konnte sie ihr eigenes Nähatelier in einem Dorf (Naisar) in der Nähe der Stadt Sanandaj auf die Beine stellen. Im Sommer 2013 besuchte ich sie in ihrem Atelier. Sie hatte eine Praktikantin angestellt. Auf ihr Ersuchen wurde ihr nochmals Finanzhilfe gewährt und eine kleine Nähmaschine zur Verfügung gestellt.
Stand April 2014: Sie lag mit gebrochenem Bein im Bett und war deshalb seit einigen Tagen arbeitsunfähig.


4. Nahia

Sie ist Mutter eines neunjährigen Jungen. Ihr Mann verkauft mit einem Karren Waren auf der Strasse, er hat in den Wintermonaten kaum Arbeit und auch keine Arbeitslosenentschädigung. Nahia hat in einem armen Quartier ein kleines Nähatelier auf die Beine gestellt.

Stand April 2014: Mit ihrem Einkommen aus dem Nähatelier verdiente sie knapp mehr als die Miete (ca. 8 Euro). Zu ihrer Entlastung haben wir ihr die Übernahme der Miete für ein Jahr übernommen.

5. Hasiba

Die zweifache Mutter absolvierte die Ausbildung zu Näherin in 2010.
Stand April 2014: Sie produziert Masken für einen Fabrikanten. Dies war ihr erster Grossauftrag. Auf ihren Antrag besorgten wir ihr eine industrielle Nähmaschine, die sie für die zügige Erledigung dieses Auftrages benötigte. Um ihre Motivation für weitere Aufträge zu fördern bzw. zur Sicherung der zweckmässigen Benützung der Nähmaschine, haben wir mit ihr eine Abzahlung des Kaufpreises (innert 2 Jahren) vereinbart.

6. Shanaz

Sie hat Mitte 2012 die Ausbildung bei PAI absolviert. Sie ist Mutter zweier Kinder, ihr Mann arbeitet gelegentlich als Taxifahrer oder Schweisser. Shanaz arbeitet zu Hause, sie näht im Auftrag vom Bazar.

7. Parwane


Die Mutter dreier Kinder ist Hausmeisterin, sie knüpft Teppich bei sich zu Hause und verbessert damit ihr bescheidenes Einkommen. Wir gewähren ihren Kindern Ewin und Haoram (vgl. Abschnitt 2.6, Ziffer 5 und 6) finanzielle Unterstützung bei deren Schulung.

8. Aisha


Sie wohnt in einem Dorf, das ca. 18 km von der Stadt Sanandaj entfernt ist. Sie absolvierte die Ausbildung in Teppich-Knüpfen bei PAI. Sie erhielt von uns nach ihrem Diplomerwerb weitere Unterstützung. Sie hat vier Töchter (eine, Gashin, werden wir ab 2014 finanziell unterstützen).

9. Blur

Sie absolvierte Ende 2012 die Ausbildung bei PAI als Näherin. Ihr Mann ist einfacher Arbeiter, sie haben drei Töchter.


10. Samira S.


Sie absolvierte Mitte 2012 die Ausbildung als Teppich-Knüpferin. Wie Aisha wohnt sie in einem Dorf. Wir haben sie dafür gewonnen, bei PAI die Näh-Ausbildung zu absolvieren, um ihr Know-how ihren Dorfbewohnerinnen zur Verfügung zu stellen (im nächsten Jahr werden wir darüber mehr zu berichten haben).

6. Die Stipendien

Im Jahr 2013 haben wir 20 Personen finanzielle Unterstützung bei ihrer Schulung bzw. ihrem Studium gewährt. Die Studentinnen haben im Gegenzug eine soziale Gegenleistung erbracht, indem sie finanzschwachen Menschen unter die Arme gegriffen haben.

1. Sara
Im April 2014 stand sie im 2. Semester ihres Studiums in Geschichte und hat noch 5 vor sich. Sie hat bisher als Gegenleistung für ihr Stipendium viele verschieden Sozialleistungen erbracht, worüber wir in den letzten Berichten informiert haben. Letztmals gab sie Schülerinnen in einer Dorfschule Hilfsunterricht in Mathematik.

2. Rezan
Sie studiert im zweiten Semester Management in Kultur und Planung. Ihre versprochene soziale Gegenleistung hat sie erbracht, indem sie in einer Dorfschule Hilfsunterricht gab.

3. Azar
Sie ist 19-jährig und eine sehr fleissige Schülerin im Vorbereitungsjahr (vor dem Eintritt in die Universität); im Sommer hat sie Aufnahmeprüfung. Ihre soziale Gegenleistung besteht darin, dem achtjährigen behinderten Erfan Hilfsunterricht v.a. in Mathematik zu geben.

4. Erfan
Er ist ein behindertes Kind einer armen Familie. Im Alter von 9 Jahren besucht er die dritte Schulklasse. Er erhält von unserer Studentin Azar Hilfsunterricht und von uns finanzielle Unterstützung für seine Schulung.

5. Ewin und
6. Haoram
Sie sind die Kinder von Parwane (vorne Ziffer 7), welche von uns für ihre Schule finanzielle Unterstützung erhalten.

7. Fereshteh
Sie ist 20-jährig, studiert im 5. Semester Volkswirtschaft und hat noch weitere 2 Semester vor sich. Als soziale Gegenleistung für das von uns gewährte Stipendium hat sie Schulkindern Hilfsunterricht in Englisch gegeben.

8. Najiba
Sie hat die Ausbildung zu Teppich-Knüpferin bei PAI absolviert. Nebst dieser Ausbildung haben wir ihr ein kleines Atelier zum Knüpfen von sog. Bilder-Teppichen bei sich zu Hause finanziert. Zudem haben wir sie bisher in ihrer Schulung (sie war in der Sekundarschule für Erwachsene) finanziell unterstützt.

9. Fahima M.
Sie ist im 6. Semester ihres Studiums in Psychologie und hat noch 2 Semester vor sich (Stand April 2014). Ihre soziale Gegenleistung besteht darin, ein schwer behindertes Mädchen, das in der 3. Klasse einer Sonderschule ist, Hilfsunterricht zu geben.

10. Samira W.
Sie war im 3. Semester ihres Studiums (Bauzeichnerin). Ihre soziale Gegenleistung bestand in Hilfsunterricht im Englisch.

11. Artin S.
Er ist das kleine Kind einer der Ausbilderinnen. Einen Teil der Kindergartenkosten haben wir zur finanziellen Entlastung der alleinerziehenden Mutter übernommen.

12. Gashin P.
Sie war unter dem Schutzdach eines Hilfswerkes und studierte Buchhaltung. Sie stand im Sommer 2013 im letzten Semester. Ihre letzte Semestergebühr haben wir auf Antrag des Hilfswerkes übernommen.

13. Asra
Asra ist eine fleissige, sechszehnjährige Schülerin. Sie lebt mit ihrer älteren Schwester und ihrem verwitweten Vater zusammen - ihre Mutter starb letztes Jahr im Spital auf Grund fataler ärztlicher Fehldiagnose. Da die Rente des pensionierten Vaters nach dem Verlust seiner Frau gekürzt wurde, musste er mit Aushilfsarbeiten sein Einkommen verbessern. Wir unterstützen Asra in ihrer Schulung finanziell.

14. Diana (Kleinkind)
Ihre Mutter machte bei PAI die Ausbildung zu Näherin. Wir haben ihr auf Wunsch finanzielle Unterstützung für die Schulung ihrer Tochter Diana gewährt.

15. Asso
Sie ist 27-jährig. Im Jahre 2010 hat sie ihr Diplom im Nähen und in 2013 ihr Nachdiplom in Buchhaltung erworben. Stand April 2014: sie studierte im zweiten Semester ihres Bachelors in Buchhaltung. Sobald sie eine soziale Gegenleistung erbringt, wird sie von uns weiterhin finanziell unterstützt.

16. Jila M.
Sie hat ihr Studium in Pädagogik abgeschlossen und wurde von uns diesbezüglich in 2013 finanziell unterstützt.


In Mahabad haben wir über den dortigen Frauenverein im 2013 folgende Stipendien ausgerichtet:

17. Parisa
Sie war im 2. Semester ihres Studiums in Buchhaltung. Ihr Vater ist 85-jährig, ihre Mutter 55-jährig.

18. Amine
Sie war im zweiten Semester der Lehrerseminars (für die Vorschule). Ihr Vater ist 75-jährig, die Mutter 54-jährig.

19. Laila
Sie war im ersten Semester ihres Chemie-Studiums. Ihre 42-jährige Mutter ist Hausfrau, ihr Vater Saisonarbeiter (50-jährig).

20. Shala
Sie war im vierten Semester der Industrial Engineering. Ihre verwitwete Mutter ist krank.


Die „Ausgeflogenen“

Nachfolgende Frauen stehen nicht mehr auf unserer Liste der Unterstützungsbedürftigen, denn sie haben ihr Studium erfolgreich beendet:

Asrin A.
Im Frühling 2012 hat Asrin erfolgreich ihre Abschlussprüfungen als Hebamme bestanden. Nach einigen Monaten des Wartens auf ihr Diplom hat sie endlich dieses erhalten und konnte anschliessend eine Stelle im Spital antreten.

Kobra A.
Wie Asrin haben wir auch Kobra, die Tochter einer Putzfrau, finanziell unterstützt. Kobra studierte Englisch und schloss im November 2012 ihr Studium erfolgreich ab.

Asrin S.
Sie ist 26-jährig und hat im Jahre 2011 ihr Psychologie-Studium beendet, ihre letzte Semestergebühr übernahmen wir.

Jila M. (vgl. Ziffer 16), Stand April 2014: arbeitslos.

7. Frauenverein VSFM (Verein zum Schutz von Frauen und Mädchen in Kurdistan)

Ein beträchtlicher Teil der Miete des Büros vom VSFM sowie das Salär der Büroangestellte wurden weiterhin von uns übernommen.

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Jahr 2014

Im Jahr 2014 haben wir die Ausbildung auf ein weiteres Dorf, nämlich Nawarra ausgedeht. Nun aber der Reihe nach:

1. Ausbildungsinstitut PAI

Mit diesem Ausbildungsinstitut arbeiten wir seit 2010 ergebnisreich zusammen. Dort werden in unserem Auftrag Frauen im Nähen und Teppich-Knüpfen ausgebildet.Im Jahr 2014 (Ausbildungsperiode November 2013 bis Oktober 2014) wurden weitere 46 Frauen ausgebildet.

33 wurden im Nähen ausgebildet, von denen 29 das Diplom erwerben konnten. 13 genossen eine Ausbildung im Teppich-Knüpfen, wobei 7 die Prüfung des Arbeitsamtes bestanden und das Diplom erwarben. Starthilfe erhielten die Frauen (inkl. einige aus anderen Ausbildungsperioden) in Form von Nähmaschinen (39) und Teppich-Gerüsten (4).

2. Die Ausbildung beim Frauenverein Mahabad

Wir haben diesen Verein sowohl finanziell wie auch mit Nähmaschinen unterstützt, wodurch eine Lehrwerkstatt fürs Nähen auf die Beine gestellt wurde.

Während der Zeitperiode Oktober 2013 bis Februar 2014 wurden in der Lehrwerkstatt 30 Frauen ausgebildet.

Dabei wurde ihnen auch die mit dem Nähen verwandten Künste wie beispielsweise Kleider für Puppen und Tischbedeckungen vermittelt. Weitere 30 Frauen wurden im Zeitraum März-Oktober 2014 ausgebildet.Die Kapazität der Lehrwerkstatt wird optimal genützt, indem nebst der Ausbildung auch Produktion betrieben wird (aktuelles Bild links). Der Erlös der Produktion kommt überwiegend den Näherinnen selbst zugute, ein kleiner Teil wird für den Unterhalt und die Materialien verwendet. Die Aufträge generiert der Frauenverein selber, indem er beispielsweise mit Spitälern und Kliniken Abnahmeverträge abschliesst. Im Sommer wurden, gemäss Auskunft der Vereinspräsidentin, 1000 Mäntel für Schulmädchen produziert.

3. Frauenverein Saqez

Dieser Verein ist in der Stadt Saqez (ca. 3 Fahrstunden von Sanandaj entfernt) aktiv. Der Verein betrieb nebst karitativen Tätigkeiten eine kleine, bescheidene Näh-Werkstatt sowie einen Gemüseladen, wo zwei Frauen Gemüse und Kräuter für den Markt rüsteten. Wir haben diesen Verein auf dessen Wunsch nur noch für eine kurze Dauer finanziell unterstützt.

4. Die Ausbildung im Dorf Nanala

Nanala ist ein grosses Dorf in der Nähe der Stadt Sanandaj, Hauptstadt der Provinz Kurdistan im Iran. Dort haben wir eine Nähausbildung für finanzschwache Frauen organisiert. Die Ausbildung wird durch zwei Frauen aus dem Dorf vorgenommen, die ihre eigene Ausbildung bei PAI absolviert haben.

Sie haben in einem ersten Ausbildungssemester 14 Frauen unterrichtetet, von denen 9 die Prüfung des Arbeitsamtes erfolgreich bestanden haben. Im zweiten Semester wurden weitere 15 unterrichtet, von denen 11 die Prüfung bestanden.

5. Die Ausbildung im Dorf Nawarra

Nawarra liegt ca. 18 km von der Stadt Sanandaj entfernt. Auch hier haben die Frauen wie in Nanala die gleichen Schwierigkeiten mit einer Ausbildung in der Stadt. Deshalb haben wir dafür gesorgt, dass auch hier die Dorf eigenen, menschlichen Ressourcen optimal eingesetzt werden. In diesem Sinne wurde eine der Frauen bei PAI als Näherin ausgebildet.

Sie wird voraussichtlich anfangs Sommer 2015 als Lehrerin ihre Arbeit aufnehmen (Stand: Mai 2015). Wir werden auch diese Dorfnähschule mit Nähmaschinen ausrüsten.

6. Einige Projekte der Frauen

Im April 2014 habe ich einige der Frauen besucht. Nahid hat mit ihrem Geschäftspartner 14 Arbeitsplätze geschaffen. Bei Fatima waren es drei Arbeitsplätze. Die junge Mutter Nahia arbeitete alleine in ihrem bescheidenen Atelier.


7. Die Stipendien

1. Sara
Sie ist im 3. Semester ihres Studiums in Geschichte und hat noch 4 Semester vor sich.

Ihre aktuelle Gegenleistung für das Stipendium besteht in Hilfsunterricht.

2. Rezan
Sie studiert im letzten Semester Management in Kultur und Planung. Ihre aktuelle soziale Gegenleistung besteht in Unterricht in einem Handwerk, das sie beherrscht.

3. Fereshteh

Sie studiert im letzten Semester der Volkswirtschaft. Als soziale Gegenleistung für das von uns gewährte Stipendium gibt sie 12 Schulkindern Hilfsunterricht in Englisch.

4. Fahima M.
Sie ist im 7. Semester ihres Studiums in Psychologie und hat noch 1 Semester vor sich. Ihre soziale Gegenleistung bis zum letzten Sommer bestand darin, ein schwer behindertes, zehnjähriges Mädchen, das in der 3. Klasse einer Sonderschule war, Hilfsunterricht zu geben.

5. Sargol R.
Sie ist im 3. Semester eines vierjährigen Studiums in Mine-Engineering. Ihre soziale Gegenleistung besteht im Besuchen und Unterstützten von zwei alten Frauen.

6. Sina R.
Sina studiert Handel und ist im 3. Semester, weitere 5 stehen noch an.

7. Bayan
Sie studiert Dolmetschen und ist im 2. Semester, weitere 2 hat sie noch vor sich. Ihre soziale Gegenleistung besteht in Englisch-Nachhilfe an fünf Schüler in einem ganz kleinen Raum. Dieser Raum wird auch von Sara W. (unten) benützt, die Miete haben wir übernommen (der Raum wurde ursprünglich von der Mutter von Bayan gemietet, damit diese dort ihre soziale Gegenleistung erbringen und so in den Genuss des Stipendiums kommen konnte.

Da die Mutter jedoch Putzfrau ist und sehr bescheiden verdient, haben wir die Miete übernommen).

8. Sara W.
Sara ist im 2. Semester der Sozialen Arbeit (Schwerpunkt Familie). Im oben erwähnten Raum gibt sie als Gegenleistung für das Stipendium Hilfsunterricht in Mathematik an 5 kleine Kinder.

9. Parisa
Sie ist im 2. Semester der vorschulischen Kinderbetreuung (Vorschule ist wie das letzte Kindergartenjahr in der Schweiz). Ihre soziale Gegenleistung besteht darin, einigen Frauen das Stricken in der Dorfschule zu Nanala beizubringen.

10. Azar
Sie ist 19-jährig und war letztes Jahr im Vorbereitungsjahr (vor dem Eintritt in die Universität), dessen Aufnahmeprüfung sie leider das erste Mal nicht bestand. Ihre soziale Gegenleistung besteht darin, dem behinderten Erfan Hilfsunterricht v.a. in Mathematik zu geben.

11. Erfan
Er ist ein behindertes Kind einer armen Familie. Im Alter von 10 Jahren besucht er die vierte Schulklasse. Er erhält von unserer Studentin Azar Hilfsunterricht und von uns finanzielle Unterstützung für seine Schulung.

12. Artin S.
Er ist das vierjährige Kind einer der Ausbildnerinnen. Einen Teil der Kindergartenkosten haben wir zur finanziellen Entlastung der alleinerziehenden Mutter übernommen.

13. Ewin,
14. Haoram und
15. Parwan
Ihre Mutter ist Hausmeisterin und absolvierte bei PAI die Ausbildung zu Teppich-Knüpferin. Ewin ist 15 und Haoram 10. Wir unterstützten sie bei ihrer Schulung finanziell. Parwan ist die 19-jährige Schwester der beiden. Sie steht kurz vor Universitätsantritt.

16. Gashin M.
Sie ist die Tochter einer der Absolventinnen von PAI und wohnt mit ihrer Familie in einem Dorf.Sie fährt mit einem Kleinbus 18 Km in die Stadt Sanandaj zur Schule. Wir haben auf Grund des bescheidenen Einkommens der Eltern ihr die Transportkosten für ein Jahr zugesichert.

17. Samira W.
Sie studierte Bauzeichnen und war im 3. Semester. Da sie keine weitere soziale Gegenleistung erbrachte, wurde ihr kein Stipendium mehr gewährt.

8. Frauenverein VSFM (Verein zum Schutz von Frauen und Mädchen in Kurdistan)

Ein beträchtlicher Teil der Miete des Büros vom VSFM sowie das Salär der Büroangestellten wurden weiterhin von uns finanziert. Unsere Zusammenarbeit mit dem VSFM endete jedoch, weil er keine weiteren Frauen mehr für eine Ausbildung vermittelte.

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Jahr 2015

KurdAid hat in 2015 auch in der Stadt Bukan Fuss gefasst. Bukan liegt etwa drei Fahrstunden von Sanandaj, der Hauptstadt der Provinz Kurdistan im Iran, entfernt und ist eine Nachbarstadt von Mahabad, wo wir einen weiteren Frauenverein unterstützen.
Neuerdings werden auch finanzschwache, körperlich behinderte Personen in den Genuss einer Ausbildung (im Nähen) kommen. In diesem Zusammenhang arbeiten wir mit einem Behindertenverein in Bukan und einem Hilfswerk in Sanandaj.
Viele der Studentinnen, welche bisher von uns finanziell unterstützt worden sind, haben in 2015 ihr Studium abgeschlossen.
Die Nähausbildung im Dorf Nawarra hat mittlerweile begonnen. Jene im Dorf Nanala läuft seit fast zwei Jahren weiterhin ergebnisreich weiter.

1. Ausbildungsinstitut PAI

In der Zeitperiode November 2014 bis anfangs Dezember 2015 wurden gesamthaft 33 Frauen ausgebildet, 22 Frauen im Nähen und 11 im Teppich-Knüpfen. Alle 22 Näherinnen haben die Prüfung des Arbeitsamtes bestanden, im Teppich-Knüpfen waren dies 9. Die Absolventinnen haben bis jetzt 15 Nähmaschinen erhalten.

Auf Grund einer Kommunikationspanne unter unseren Partnern vor Ort haben die Absolventinnen im Teppich-Knüpfen keine Starthilfe erhalten, was selbstverständlich nachgeholt wurde und zwar im März 2016.

2. Ausbildungsinstitut Melina

Im Sommer 2015 haben wir in einer Testphase 15 Frauen beim Ausbildungsinstitut Melina ausbilden lassen. 5 von ihnen werden im klassischen Nähen und 10 im Nähen kurdischer Kleider ausgebildet. Die Ausbildung der 5 dauert vom September 2015 bis anfangs März 2016, ihre Prüfung soll im Mai 2016 stattfinden. Die Ausbildung der anderen 10 Frauen fand im September 2015 statt und war nach zwei Monaten zu Ende, alle 10 haben die Prüfung des Arbeitsamtes bestanden.

3. Die Ausbildung im Dorf Nanala

Im Jahr 2015 wurden 3 Ausbildungszyklen im klassischen Nähen durchgeführt. Im Sommer 2015 stellten wir den Bedarf für eine Ausbildung im Nähen kurdischer Kleider fest. Darauf absolvierten beide Lehrerinnen beim Ausbildungsinstitut Melina eine entsprechende Zusatzausbildung.

Der letzte Ausbildungszyklus der Praktikantinnen Ende 2015 war deshalb im Nähen kurdischer Kleider.

Im Jahr 2015 genossen 67 Frauen eine Nähausbildung. 32 von ihnen traten die Prüfung des Arbeitsamtes an und bestanden diese auch.
Eine weitere erfreuliche Nachricht ist, dass bisher neun der Absolventinnen ihr eigenes Geschäft aufgebaut haben. Weiter unten berichte ich über eine von ihnen namens Shatao.

5. Die Ausbildung im Dorf Nawarra

Reminder: Das Dorf Nawarra liegt ca. 18 km von der Stadt Sanandaj entfernt. Auch hier haben die Frauen wie in Nanala die gleichen Schwierigkeiten mit einer Ausbildung in der Stadt. Deshalb haben wir dafür gesorgt, dass auch hier Frauen aus dem Dorf ihr Wissen weiter geben können. In diesem Sinne wurde eine von ihnen beim Ausbildungsinstitut PAI als Näherin ausgebildet.Wenige Tage vor unserem Besuch im Sommer 2015 hat die Lehrerin in den
Räumlichkeiten der Dorfschule ihre Arbeit aufgenommen. Sie hatte 10 Praktikantinnen. Wir haben die Dorfschule vorläufig mit einer Nähmaschine ausgerüstet. Von den 10 Praktikantinnen haben 4 die Prüfung des Arbeitsamtes angetreten und diese bestanden. Der 2. Ausbildungszyklus begann gegen Ende 2015.

5. Frauenverein Bukan

Der gesamte Vorstand besteht aus Frauen. Sie setzten sich seit 16 Jahren für wohltätige Zwecke ein. Daneben betreibt der Frauenverein seit wenigen Monaten auch eine bescheidene Kleider-Produktionsstätte.Dort arbeiten zwei Näherinnen und eine Helferin. Sie nähen Kleider und Küchenutensilien. Mit dem Erlös werden lediglich die Löhne und die Materialkosten finanziert. Die Näherinnen erhalten zudem Sachspenden

Die Gesamtkosten können somit nicht vollständig gedeckt werden, es entsteht ein kleiner Verlust.

Die Produktionsstätte haben wir mit weiteren gewünschten Arbeitsinstrumenten (industriellen Nähmaschinen, Bügeleisen, etc.) ausgestattet, um deren Produktivität zu erhöhen.

6. Behindertenverein Bukan

Dieser Verein ist von und für Behinderte. Er besteht seit 8 Jahren und wird von einer sehr engagierten Frau, selbst behindert, geleitet. Sie haben 5 Angestellte, die, von einer Ausnahme abgesehen, alle behindert sind. Sie haben verschiedene Ateliers für körperlich und geistig Behinderte, unter anderem ein Mahlatelier.

Sie haben zwar auch ein Nähatelier, dieses konnte jedoch mangels finanzieller Mitteln und weiterer benötigten Instrumente noch nicht in Betrieb genommen werden. Wir haben ihnen die erforderlichen Arbeitsinstrumente finanziert. Aus dem fast leeren Nähatelier entstand dadurch eine Produktionsstätte, wo 6 behinderte Frauen einen Arbeitsplatz fanden. Sie arbeiten im Akkord, weil sich der Verein keinen fixen Monatslohn leisten kann.

Zwei der Näherinnen sind auf Rollstuhl angewiesen, die eine bügelt und die andere schneidet die Stoffe. Sie nähen u.a. Schalfanzüge, Kissenüberzüge, Hemde und Frottiertücher. Die Kleider werden grösstenteils im Auftrag produziert, z.B. für ein Altersheim oder für einen Grosshändler im Bazar.

7. Hilfswerk für Behinderte

Das Hilfswerk für Behinderte ist seit 16 Jahren für körperlich Behinderte in der Stadt Sanandaj tätig. Nebst Nothilfe und Sachspenden setzt es sich auch für verschiedene Ausbildungen wie Nähen, Holz-Schnitzen und Arbeiten mit dem PC ein. Diese Ausbildungen richten sich an Behinderte im Alter zwischen15 bis 35 Jahren.

Auf Gesuch der Lehrerin des Nähateliers haben wir ihnen eine leistungsstarke Nähmaschine besorgt und zwar im Austausch für ihre zwei leistungsschwächeren Nähmaschinen (die eine kam dem Frauenverein Bukan und die andere der Absolventin Shatao zugute).

8. Frauenverein Mahabad

Die Ausbildung und die Produktion in der Produktionsstätte, die wir ausgestattet haben, finden nach wie vor statt. Produziert wird unter anderem Mäntel für Schülerinnen sowie Patientenhemde für Spitäler. Die Produktion hat jedoch wegen der starken Konkurrenz und dem kleinen Absatzmarktes etwas abgenommen.

9. Einige Projekte der Frauen

Bei Nahid, einer unserer ersten Absolventinnen, arbeiten derzeit mehrere Frauen. Wir haben ihr letztes Jahr ein Darlehen gewährt. Da ihre Kunden die Ware nicht rechtzeitig bezahlt haben, ist sie mit der Rückzahlung des Darlehens in Verzug geraten.

Auch Hasiba hat mit der Selbständigkeit angefangen. Sie arbeitet zu Hause und produziert Arbeitskleider für einen Fabrikanten.

Shatao hat ihre Ausbildung in der Dorfschule von Nanala absolviert und betreibt im gleichen Dorf ein kleines Nähatelier.


7. Die Stipendien

Wir haben im Jahr 2015 Stipendien an 17 Studentinnen und Schüler/innen verteilt. Viele der Studentinnen haben ihr Studium beendet und waren sehr glücklich darüber. Von den 17 bleiben noch 5 Studentinnen und ein Schüler weiterhin unter unserem Schutzdach. Es sind dies:

1. Sara W.
Sie hat ihr 4. Semester der Sozialen Arbeit (Schwerpunkt Familie) im Herbst 2015 angefangen, ein weiteres Semester für den Erwerb des Nachdiploms steht noch an. Anschliessend wird sie entscheiden, ob sie auch das Lizentiat erwerben möchte. Für das Stipendium gibt sie mehr als 10 Kindern verschiedener Stufen Hilfsunterricht in Mathematik.
2. Bayan
Sie fing im Herbst 2015 ihr 4. Semester in Dolmetschen an und beendet wie Sara ihr Nachdiplom 2016. Anschliessend wird sie entscheiden, ob sie das Lizentiat erwerben möchte. Ihre soziale Gegenleistung besteht in Englisch-Nachhilfe an einige Schüler bei sich zu Hause.

3. Parisa

Sie hat im Herbst 2015 ihr letztes Semester der vorschulischen Kinderbetreuung auf der Nachdiploms-Stufe angetreten (Vorschule ist wie das letzte Kindergartenjahr in der Schweiz). Da sie neben dem Studium noch arbeiten muss, erbringt sie ihre soziale Gegenleistung im Sommer. Diese besteht darin, Frauen das Blumen-Sticken beizubringen.

Ihren Unterricht mit 26 Teilnehmenden haben wir im Sommer 2015 besucht, alle waren sehr zufrieden mit ihr.

4. Soma
Sie ist im 2. Semester ihres Sport-Studiums, sie hat noch weitere 6 Semester vor sich. Ihre versprochene soziale Gegenleistung besteht in Volleyball-Training einiger Mädchen.

5. Azar
Sie hat im Herbst 2015 mit ihrem Studium der Rechtswissenschaften (von 8 Semestern) angefangen. Ihre versprochene Gegenleistung (Besuch und Helfen anderer Studierende und Schülerinnen) hat sie bisher sehr gut erbracht.

6. Erfan
Er ist ein behindertes Kind einer armen Familie im Schulalter. Er erhält von uns finanzielle Unterstützung für seine Schulung.

Nachfolgende Studentinnen und Schülerinnen erhalten kein Stipendium mehr.

A. Golbahar
Wir haben die Gebühren ihres letzten Semesters im Programmieren im Herbst 2015 übernommen. Ihre versprochene soziale Gegenleistung bestand in der Betreuung einer körperlich behinderten Person.

B. Sara
Sie studiert Geschichte. Da sie letztes Jahr ihre Gegenleistung massiv vernachlässigte, stoppten wir die weitere Ausrichtung des Stipendiums.

C. Rezan
Sie hat ihr Studium im Management in Kultur und Planung beendet.

D. Fereshteh
Sie hat ihr Studium der Volkswirtschaft abgeschlossen.

E. Sargol R.
Sie studiert Mine-Engineering. Da sie ihre versprochene soziale Gegenleistung, Besuchen und Unterstützten von zwei alten Frauen, nicht erbracht hatte, wurde ihr Stipendium gestoppt.

F. Sina R.
Sina studiert Handel. Auch hier haben wir das Stipendium mangels sozialer Gegenleistung gestoppt.

G . Artin S.
Er ist das fünfjährige Kind einer der ehemaligen Lehrerinnen von PAI. Einen Teil der Kindergartenkosten übernahmen wir zur finanziellen Entlastung der alleinerziehenden Lehrerin und zur Förderung der Motivation beim Unterricht. Sie arbeitet jedoch seit einiger Zeit nicht mehr bei PAI und hat uns diesbezüglich auch nicht informiert. Zudem ist Artin nicht mehr im Kindergarten. Da die Grundlagen unserer Unterstützung nicht mehr vorhanden waren, haben wir unsere finanzielle Unterstützung gestoppt.

H. Gashin M.
Sie ist die Tochter einer unserer Absolventin aus dem Dorf Nawarra. Sie fuhr mit einem Kleinbus 18 Km in die Stadt Sanandaj zur Schule. Wir haben auf Grund des bescheidenen Einkommens der Eltern ihr die Transportkosten für ein Jahr zugesichert. Diese Frist ist nun abgelaufen und Gashin geht nicht mehr in die Stadt-Schule, womit unsere Unterstützung ein Ende gefunden hat.

I. und J. Ewin, Haoram und Parwan
Ihre Mutter ist Hausmeisterin und absolvierte bei PAI die Ausbildung zu Teppich-Knüpferin. Da die Mutter eine weitere Stelle gefunden hat, haben wir die finanzielle Unterstützung gestoppt.

K. Fahima M.
In 2015 hat sie gar kein Stipendium erhalten, denn sie hatte ihr Psychologie-Studium schon beendet.

11. Fazit der Ausbildungen

Im Jahr 2015 haben insgesamt 125 Frauen eine Ausbildung genossen, von denen 77 die Prüfung des Arbeitsamtes bestanden haben. Es wurden 5 Gerüste inkl. Stoff fürs Teppich-Knüpfen sowie 25 Nähmaschine unter den Absolventinnen verteilt.

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Jahr 2016

Seit zehn Jahren setzen wir uns für die Ausbildung und Schulung von Frauen und Mädchen in Kurdistan gezielt ein. In dieser Zeit haben knapp 700 Frauen und Mädchen von einer Ausbildung bzw. von einem Stipendium profitiert. Allein im Jahre 2016 waren es gut 200 Personen, was auf einen markanten Anstieg unserer Aktivitäten schliesst. Unsere Tätigkeiten haben wir aber auch in geographischer Hinsicht erweitert. So kamen neu in der Grenzstadt Merivan einige finanzschwache Frauen in den Genuss einer Ausbildung (Merivan liegt etwa vier Fahrstunden von Sanandaj, der Hauptstadt der Provinz Kurdistan im Iran, und nur wenige Fahrminuten von der Grenze zum irakischen Kurdistan entfernt). Damit haben wir derzeit in vier grossen Ortschaften (Sanandaj, Bukan, Mahabad und Merivan) Ausbildungen organisiert, welche den Frauen eine Perspektive ermöglichen.

Die Nähausbildung wird zudem in einigen Dörfern und Schulhäusern erfolgreich angeboten.

In Anlehnung an unser Stipendienkonzept, wonach ein Stipendium nicht ohne Gegenleistung gewährt wird, wird künftig auch die Starthilfe an die Absolventinnen der Näh- und Teppichausbildung an Bedingungen geknüpft. Dadurch soll die Würde der Frauen gewahrt und ihr Wille zur Selbständigkeit gestärkt werden. In diesem Sinne werden die Beschaffungskosten der Nähmaschinen bzw. der Teppich-Gerüste nur übernommen, wenn diese innert zwei Jahren ratenweise rückerstattet werden. Es versteht sich von selbst, dass wir auf Härtefälle Rücksicht nehmen und in derlei Fällen kulant sein werden.

 

1. Ausbildungsinstitut PAI

In 2016 wurden in unserem Auftrag 23 Frauen im Nähen und Teppich-Knüpfen ausgebildet, von denen 19 die Prüfung des Arbeitsamtes bestanden haben.

Wir haben im Sommer 2016 viele der bisherigen Absolventinnen besucht und dabei festgestellt, dass viele von ihnen erwerbstätig waren.

Da sind zum einem die geschäftlich erfolgreichen Schwestern Laila und Soheila, die bei sich zu Hause gemeinsam ein Nähatelier auf die Beine gestellt haben.

Shahin hat mit ihrem Ehemann bei sich zu Hause ein Nähatelier eingerichtet. Sie nähen Kleider im Akkord für Dritte. Morgens arbeitet Shahin als Putzfrau. Auf ihr Gesuch hin haben wir ihr einen industriellen Overlook besorgt (diesen hatten wir der Produzentin Nahid vor zwei Jahren ausgeliehen).

 

Bayan ist ebenfalls sehr fleissig. Sie hat die Nähmaschine, die wir ihr besorgt hatten, zwischenzeitlich mit einer Leistungsstärkeren ausgetauscht und arbeitete in ihrer 2-Zimmer-Wohnung. Auf ihren Antrag hin haben wir ihr ein Dampfbügeleisen, das sie dringend benötigte, besorgt.

 

Eine weitere, sehr fleissige Absolventin ist Parvin. Ihr Ehemann arbeitet in einer Bäckerei. Sie haben zwei Kinder (13- und 18-jährig) und bewohnen eine sehr kleine 1,5-Zimmer-Wohnung. Dort näht Parvin für die Nachbarschaft sowie für Produzenten im Akkord.
Sie hat nach der erfolgreichen Prüfung des Arbeitsamtes von uns eine Nähmaschine bekommen und sich später eine second-hand industrielle Nähmaschine besorgt, die sie noch nicht ganz abbezahlt hatte. Zur Förderung ihrer Selbständigkeit haben wir ihr einen Overlook (die grüne im Bild), die ihr fehlte, besorgt und den Rest ihrer Schulden (über 60 CHF) übernommen.

Auch Golala gehört zu den fleissigen Absolventinnen. Sie hatte nicht auf unsere Nähmaschine gewartet, sondern Geld ausgeliehen und damit zwei Nähmaschinen besorgt. Sie arbeitet bei sich zu Hause, wo sie sich um ihre an Diabetes erkrankte Mutter kümmert. Auf ihr Gesuch hin haben wir ihr ein Darlehen gewährt, womit sie ihre Schulden abzahlt und etwas Stoff besorgen konnte. Die vereinbarten Raten erstattet sie regelmässig zurück.

Es gab aber auch Absolventinnen, die noch am Anfang ihrer Selbständigkeit waren und besondere Bedürfnisse hatten, wie z.B. das Einrichten des Ateliers. In diesem Zusammenhang haben wir Shamama geholfen. Sie ist eine junge geschiedene Frau und wohnt mit ihrer verrwitweten Mutter im Dorf Dana.Mit der Nähmaschine, die wir ihr nach ihrer Ausbildung besorgt hatten, versuchte sie etwas zu verdienen. Dies war aber nicht einfach. Sie beklagte sich darüber, dass die Frauen vom Dorf mangels Vertrauen ihrer männlichen Verwandten nicht zu ihr ins hintere Zimmer vom Haus kommen würden – die Ehemänner befürchten, so Shamama, es ginge dort in dem dunklen Hinterzimmer gar nicht ums Nähen sondern um was Schlimmes.

Ihre Idee war deshalb, im vorderen Raum (neben dem Eingang), der als Lagerraum diente, ein Nähatelier mit Fenstern einrichten zu lassen (Bild rechts oben). Gedacht, getan: mit Hilfe eines einheimischen Spenders, der die Handwerker auf eigene Rechnung bestellte, wurde in wenigen Tagen der gewünschte Laden eingerichtet; die Wände wurden gemahlen, Fenster und eine Tür wurden eingebaut. Und wir besorgten ihr auf Basis eines Darlehens die Einrichtungen wie Tisch, Stühle und Spiegel sowie eine weitere kleine Nähmaschine (einen Overlook). Und so entstand ihr neues Nähatelier (Bild rechts unten).

Ihre erste Rate hat sie im Februar 2017 pünktlich zurückbezahlt.

In einem weiteren Dorf namens Sallwatawa wohnt Fruzan. Ihre drei erwachsenen Kinder waren alle ausgeflogen. Sie wohnt in prekären Lebensverhältnissen, aus denen sie unbedingt ausbrechen wollte. Sie war fest entschlossen, einen leeren Laden in ihrer Nähe zu mieten und dort ein Nähatelier auf die Beine zu stellen.
Sie erhielt von uns eine Nähmaschine und von einer einheimischen Spenderin Mobilien, womit das Nähatelier entstand.

Auch die fleissige Meriam, Mutter dreier ebenso fleissigen Absolventinnen, haben wir besucht und unterstützt. Sie arbeitet mit ihrer Tochter Sara zu Hause. Auf ihr Gesuch hin haben wir ihr ein leistungsstarkes Dampfbügeleisen besorgt, das sie ratenweise zurückgezahlt hat.

Weitere Absolventinnen, die von uns eine Nähmaschine erhalten haben und bei sich zu Hause arbeiten sind folgende:

Shahin, eine alleinerziehende Mutter (eines 9-jährigen Jungen), die sich von einem Salafisten getrennt hat (sie war seine 5. Frau).

Hana hat zwei kleine Kinder (2 Monate alt und 10-jährig). Sie wohnt ebenfalls in einer kleinen 2-Zimmer-Wohnung.

Fariba hat drei Töchter und näht mit der Nähmaschine für ihre Familie und Bekannte.

Nadia wohnt mit ihrer alten Mutter und ihren beiden Söhnen (19 und 13) zusammen in einem einzigen Zimmer. Mit der Nähmaschine näht sie für ihre eigenen Familienmitglieder und sie verkauft zudem Küchenutensilien.

Leila, Mutter eines 13-jährigen Mädchens, hat die Ausbildung als Näherin erfolgreich abgeschlossen und näht bei sich zu Hause für Bekannte. Daneben backt und verkauft sie Brötchen.

Somaya, die junge verwitwete Mutter eines 5-jährigen Buben, wohnt mit ihrem behinderten Vater zusammen in einer kleinen Wohnung.

Sharafat hat einen kleinen Sohn. Sie musste aus ihrer Wohnung ausziehen und zu ihrem Bruder am äussersten Rand der Stadt ziehen, nachdem ihr Ehemann wegen Verdachts auf ein Delikt geflüchtet war.

Teppich-Knüpferinnen, die von uns Gerüst und Stoff erhalten haben, sind unter anderen Nasrin (Bild unten links), Akram (Bild Mitte) und Edallat.Nasrin ist Mutter dreier Kinder, ihr Ehemann arbeitet als Hauswart in einem Gebäude, wo sie eine kleine 1-Zimmer-Wohnung bewohnen. Eine ihrer Tochter hat von Nasrin das Teppich-Knüpfen gelernt und hilft ihr dabei.

Eine weitere Teppich-Knüpferin ist Mahtab, Mutter dreier Kinder (5, 12 und 17). Für sie und die Familie ist die Drogensucht des Ehemannes eine grosse finanzielle und seelische Belastung. Die 17- und 12-jährige Kinder haben wir in unserem Unterstützungsprogramm aufgenommen (wir werden ihre Schulung finanziell unterstützen).


Zudem wurde Shilan, die 17-jährige Tochter, auf Ersuchen der Mutter und sich selbst im Sommer 2016 bei PAI als Näherin ausgebildet, damit sie in ihrer Freizeit etwas verdienen und so die finanzielle Last der Familie verkleinern kann. Sie hat die Prüfung im Nähen bestanden und eine Nähmaschine erhalten.

Shahin (von ihr haben wir leider noch kein Foto) hat einen 7-jährigen Buben, ist verwitwet und lebt hauptsächlich von der vererbten Rente ihres Vaters. In ihrer kleinen 2-Zimmer-Wohnung knüpft sie Teppich und näht auch. Sie hat das Teppich-Knüpfen bei PAI gelernt und hat bisher zwei Bilder-Teppiche verkauft. Shahnaz (Bild links) und Shaida (Bild rechts) erhielten Ende Dezember je eine Nähmaschine.

Es gab aber auch Frauen, die aus verschiedenen Gründen noch nicht in der Lage waren, von der Ausbildung zu profitieren bzw. diese unterbrochen hatten. Da war z.B. Bahara, die nebst Betreuung ihrer Zwillinge auch den herzkranken Ehemann pflegen musste und dazu noch als Nanny arbeitete und demzufolge die Ausbildung unterbrechen musste. Eine andere war Asra, welche fortan studierte und nur gelegentlich für ihre eigene Familie nähte.

2. Die Ausbildung in der Dorfschule von Nanala

Die Ausbildung im Sommer 2016 war die achte in Serie, die neunte und letzte endete im Dezember 2016. In beiden Gruppen wurden jeweils 17 Praktikantinnen von den bisherigen zwei Trainerinnen ausgebildet. Gesamthaft genossen in den letzten drei Jahren 161 Frauen eine Ausbildung in diesem Dorf, 71 waren es alleine in 2016. Allerdings kamen nicht nur Frauen aus dem Dorf Nanala selber in die Ausbildung sondern auch aus den umliegenden Dörfern.

Parwaneh ist eine der Näherinnen. Die fleissige Mutter hatte auf Kredit ihr Nähatelier bei sich zu Hause auf die Beine gestellt und ihre Schulden schon abbezahlt. Zur Förderung ihrer Selbständigkeit besorgten wir ihr ein ihr fehlendes Dampfbügeleisen.

Samira hat ihr eigenes Nähatelier zu Hause und benötigte ebenfalls ein Dampfbügeleisen, das wir ihr besorgten.

Qomri (Bild unten rechts) hatte mit ihrer Freundin Shamsi (Bild unten links) gemeinsam in ihrem Dorf (in der Nähe von Nanala) ein Nähatelier auf die Beine gestellt. Wir haben ihnen einen neuen Overlook (Bild unten rechts), den sie benötigten, besorgt - dies im Austausch für ihren Alten, den wir reparieren und in der Dorfschule von Naisar (vgl. weiter unten) einsetzen liessen.

3. Die Ausbildung in der Dorfschule von Nawarra

In einem Klassenzimmer hat unsere ehemalige Nähabsolventin Samira im Sommer 2015 mit der Ausbildung von zehn Frauen begonnen, von denen vier das staatliche Diplom erwarben.
Der 2. Ausbildungszyklus fand gegen Ende 2015 mit 10 Frauen statt. Nachher gab es eine Pause wegen der Feldarbeiten.
Der letzte Ausbildungszyklus war im Oktober/November 2016 mit 6 Frauen.

4. Die Ausbildung in der Dorfschule von Asaolla

Auch im Dorf Asaolla, wie bereits in Nawarra und Nanalla, haben wir die Idee umgesetzt, die Dorf eigenen Ressourcen einzusetzen. Dafür haben wir Shayda (im Bild, ganz links), eine sehr fleissige Absolventin, gewonnen. Sie ist Mutter zweier Kinder (5 und 16), verheiratet und wohnt im Dorf Asaolla. Ihr Ehemann ist arbeitslos.

Shayda arbeitet bei sich zu Hause. In unserem Auftrag brachte sie Frauen in einem Klassenzimmer das Nähen bei, nachdem sie die Schulleitung von dem Projekt überzeugt hatte. Die erste Gruppe, bestehend aus 8 Frauen, nahm von Mitte August bis Ende September jeweils an zwei Halbtagen an der Ausbildung teil. Wenige Tage später fand der zweite Ausbildungszyklus mit weiteren 8 Frauen statt. Dieser ging Mitte November 2016 zu Ende. Ab dann begann der letzte Ausbildungszyklus mit 12 Frauen, sie endete am 31. Dezember 2016.

5. Die Ausbildung in der Quartierschule Hajiawa

Da die Anzahl der Praktikantinnen beim Institut PAI in Sanandaj aus Kostengründen beschränkt, aber das Bedürfnis für eine Ausbildung hoch ist, suchen wir ständig nach Alternativen. Dafür haben wir nebst den umliegenden Dorfschulen auch die Stadtschulen ins Visier genommen und versuchen, dort die Räumlichkeiten für eine Nähausbildung zu nützen, wobei zuerst die Schulleiterinnen zu überzeugen sind, was bis jetzt teilweise gelungen ist. So organisierten wir neu in der Schule zu Hajiawa, einem Quartier in Sanandaj, anfangs August 2016 zunächst die Ausbildung von 12 Frauen. Auch diese Ausbildung fand an zwei Halbtagen in der Woche statt. Wir engagierten eine Trainerin und statteten das betreffende Schulzimmer mit vier Nähmaschinen aus. Der zweite und letzte Ausbildungszyklus hat anfangs Oktober mit 10 Praktikantinnen begonnen und dauerte bis Ende Dezember 2016.

 

6. Die Ausbildung im Dorf Naisar

Die Ausbildung im Dorf Naisar organisierten wir im September und Oktober 2016 aus der Schweiz aus. Sara, eine unserer fleissigen Absolventinnen hat in diesem Dorf einen Raum mieten müssen, da die Schulen kein Klassenzimmer zur Verfügung stellen wollten. Die Miete wurde durch einen kleinen Beitrag seitens der Teilnehmerinnen finanziert.

Wir stellten Sara zwei Nähmaschinen und einen Overlook zur Verfügung und gaben ihr, wie allen anderen Trainerinnen auch, einen Salär. Die erste Gruppe bestand aus 8 Frauen, ihre Ausbildung begann anfangs November und dauerte anderthalb Monate. Anschliessend unterrichtete Sara weitere 8 Frauen – der Kälte und ihrer eigenen Universitätsexamen wegen aber intensiv und in einem einzigen Monat.

Eine der Absolventinnen von Sara ist Farideh. Ihr Ehemann arbeitet weit entfernt von der Familie als Handlanger. Aus finanziellen Gründen musste Farideh die Mietwohnung aufgeben und mit ihren zwei Kindern zu ihren Eltern umziehen. Dort wohnt auch der geistig behinderte Bruder von Farideh, mit dem sie alle überfordert sind. Wir haben Farideh anfangs Januar 2017 eine Nähmaschine besorgt. Zudem haben wir ihren kleinen Sohn, Razan, in unserem Schulungsprogramm aufgenommen.

 

7. Hilfswerk für Behinderte

Das Hilfswerk ist in Sanandaj beheimatet und setzt sich für körperlich Behinderte ein, indem ihnen nebst Gewährung von Sachspenden verschiedene Ausbildungen wie Nähen angeboten werden. Den AbsolventInnen auch eine Starthilfe zu ermöglichen, kann sich jedoch Raad aus finanziellen Gründen nicht leisten. Hier versuchen wir probeweise, Hand zu bieten, indem wir zwei der Nähabsolventinnen bei der Besorgung einer Nähmaschine finanziell unterstützt haben.

Fereshteh ist eine von ihnen. Sie hat zwei Kinder (Parsa und Parya), die wir in unserem Schulungsprogramm aufgenommen haben. Der Ehemann poliert Schuhe auf den Strassen. Sein Einkommen sinkt deshalb im Winter wie der Schnee unter Null. Sie mussten ihre Wohnung verlassen, da sie die Miete nicht mehr zahlen konnten, dabei wurde die Mietkaution einbezogen. Sie wohnen nun in einem einzigen Zimmer am äussersten Rand der Stadt.

Haida (ganz rechts im Bild) wohnt in einer kleinen 1-Zimmerwohnung mit vier anderen Familienmitgliedern zusammen (zwei waren körperlich leicht und eine war auch geistig schwer behindert).

Nachfolgend berichten wir über unser Engagement in anderen Ortschaften von Kurdistan Iran:

8. Frauenverein Bukan

 

Dieser Verein hat seinen Sitz in der Stadt Bukan. Kaosar betreibt ein Nähatelier, das wir mit leistungsstarken Nähmaschinen ausgestattet haben. Dort arbeiten drei Näherinnen, die in den Genuss der Einkünfte kommen.

Nebst Kleidern stellen die Frauen unter Beizug von vielen Freiwilligen auch saisongerechte Produkte her, wie beispielsweis Tomatenpure (Bild rechts).

Ein Problem, womit nun dieser Verein wie auch die anderen unten erwähnten Vereinen kämpfen, sind Forderungen des Steueramtes. Das Amt verlangt nämlich Steuern auf die Einkünfte, obwohl diese entweder als Spende an Bedürftige oder als Salär an die Näherinnen weitergeben werden. Wie dieser Streit ausgehen wird, ist momentan offen.

9. Frauenverein Mahabad

 

Dieser Verein ist in der Stadt Mahabad aktiv. Dessen Produktionsstätte haben wir komplett ausgestattet. Auch im letzten Jahr wurde dort produziert. Anfangs 2016 geriet jedoch die Produktion aufgrund starker Konkurrenz und mangels Aufträge ins Schwanken, sodass einige der Frauen ihren Arbeitsplatz verloren.

10. Behindertenverein Bukan

 

Auch dieser Verein ist in der Stadt Bukan beheimatet. In ihrer jetzigen Produktionsstätte, die in Zusammenarbeit mit KurdAid entstanden ist, sind derzeit – sage und schreibe - 26 Personen mit geistiger oder körperlicher Behinderung, grossmehrheitlich Frauen, beschäftigt. Sie fertigen Badetücher für eine Fabrik in Tabriz, der Hauptstadt der Provinz West-Azerbaijan an und produzieren momentan auch einfache Filter für Autos.

Für eine speditivere Produktion benötigten sie zwei leistungsstärkere Nähmaschinen. Zudem musste aufgrund der vielen Stofffasern, die in der Luft hingen, eine Lüftung installiert werden. Wir haben sie bei beiden Belangen finanziell unterstützt.

11. Die Ausbildung in der Grenzstadt Meriwan

 

Neu konnten wir auch in der Grenzstadt Meriwan eine Ausbildung organisieren und zwar in Zusammenarbeit mit zwei ansässigen Hilfswerken. Wie bei anderen Hilfswerken war auch hier die Förderung der Selbständigkeit bisher kein Thema gewesen. In Zusammenarbeit mit ihnen haben wir die Ausbildung von 18 Frauen ermöglicht. Vier der Frauen haben wir eine Nähmaschine besorgt

Badri (Bild links) lebt mit 4 weiteren Familienmitgliedern in erbärmlichen Verhältnissen in einem Dorf in der Nähe von Meriwan. Bahar (Bild rechts) hat drei Kinder und einen drogenabhängigen Ehemann.

Shler (Bild links) hat mit ihrem behinderten Ehemann vier kleine Kinder. Auch Narges (rechts im Bild) hat eine grosse Familie und kann deshalb eine Nähmaschine sehr gut brauchen.


12. Die Stipendien

Wir haben auch in diesem Jahr Stipendien an Studentinnen und Schüler/innen verteilt. Einige von ihnen haben zwischenzeitlich ihr Studium beendet, und einige sind neu unter unserem Schutzdach.
In den Genuss eines Stipendiums kommen nach wie vor:

1. Parisa
Sie hat im Herbst 2015 ihr letztes Semester der vorschulischen Kinderbetreuung auf der Nachdiploms-Stufe beendet (Vorschule ist wie das letzte Kindergartenjahr in der Schweiz). Darauf hat sie das Lizentiat in Angriff genommen und hat im Frühling und Sommer 2016 zwei Semester absolviert, weitere 3 stehen noch an.
Als Gegenleistung für das Stipendium bringt sie in den Räumlichkeiten eines Vereins einigen Frauen das Stricken bei.

2. Sara W.
Sara hat ihr Nachdiplom in Sozialer Arbeit (Schwerpunkt Familie) erworben. Sie ist nun mit ihrem Lizentiat beschäftigt. Wir haben sie bisher finanziell unterstützt und ihr im letzten Sommer einen Laptop eines Spenders aus der Schweiz überreicht. Ihre Gegenleistung, die sie stets fleissig erbringt, besteht darin, einigen Kindern Hilfsunterricht in Mathematik zu geben.

3. Erfan
Er ist ein behindertes Kind einer armen Familie und ist in der 6. Klasse. Er erhält von uns finanzielle Unterstützung für seine Schulung.

4. Azar
Sie war im Herbst 2016 im dritten Semester der Rechtswissenschaften (weitere 8 Semester sind noch übrig).

Neu erhalten diese Personen ein Stipendium:

5. & 6. Die Geschwister Parsa und Parya
Parsa ist in der 4. Klasse, Parya ist 17-jährig und in der Schulabschlussklasse. Beide sind Kinder der behinderten Mutter Fereshteh (vgl. oben Ziffer 7), der wir bei der Besorgung einer Nähmaschine behilflich waren.

7.& 8. Die Geschwister Mona und Shilan
Mona geht in die Primarschule und ist in der 6. Klasse. Shilan hat noch ein Jahr vor sich und beendet dann die Sekundarschule. Mit dem jungen Navid (5-jährig) und ihren Eltern wohnen sie in einer kleinen 2-Zimmer-Wohnung. Über die Mutter, Mahtab, wurde weiter oben berichtet.

9.-11. Die Geschwister Mani (in der 6. Klasse), Nima (in der 2. Klasse der Sekundarschule) und Bita (in der 3. Klasse), sowie

12.-13. die Geschwister Yashar (im Kindergarten) und Yasin (in der vierten Klasse).

Die Mütter dieser Kinder sind unter dem Schutzdach eines Hilfswerkes, weil die Väter im Gefängnis sind und die Familien deshalb Unterstützung benötigen. Wir haben beiden Müttern eine Ausbildung als Näherin ermöglicht. Sie nähen bei sich zu Hause, wobei ihr Einkommen sehr bescheiden ist.

14. Nesrat

In einer kleinen Wohnung lebt sie mit ihren Eltern und zwei Geschwistern zusammen. Aus finanziellen Gründen musste sie ihr Physikstudium abbrechen. Sie konnte im Herbst 2016 dank des Stipendiums von KurdAid ihr 4. Studiensemester wieder aufnehmen.
Ihre versprochene soziale Gegenleistung besteht im Hilfsunterricht in Mathematik in der Dorfschule von Nanala. Dort gibt sie derzeit 20 Schülerinnen Hilfsunterricht an zwei Tagen in der Woche.


Beendet sind die Stipendien von:

Bayan
Sie hat ihr Studium in Dolmetschen beendet und das Nachdiplom erworben. Ihre soziale Gegenleistung war Englisch-Nachhilfe an einige Schüler.

Somaya
Sie ist im 4. Semester ihres Sport-Studiums. Ihre versprochene soziale Gegenleistung bestand in Volleyball-Training einiger Mädchen. Da sie als Trainerin angestellt ist, besteht kein Bedarf mehr an einem Stipendium.


 

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Statistiks(Stand: Ende 2016)

Gesamtschau über das Erreichte in Zahlen

Am 23. Januar 2004 haben wir den Verein KurdAid gegründet. Drei Jahre lang unterstützten wir vorwiegend ein privates Heim für Strassenkinder, bis das Heim in 2006 aufgelöst wurde. Seither setzten wir uns ein für die Impowerment von finanzschwachen Frauen, indem wir ihnen eine Ausbildung ermöglichen oder ihnen ein Stipendium gewähren.

Ausbildung und Starthilfe

Im Jahr 2016 haben insgesamt 194 Frauen eine Ausbildung genossen, von denen voraussichtlich 57 die Prüfung des Arbeitsamtes bestanden haben – weitere Ergebnisse sind noch pendent. Es wurden 14 Gerüste inkl. Stoff fürs Teppich-Knüpfen sowie 16 Nähmaschine unter den Absolventinnen verteilt.

Damit haben seit der Gründung von KurdAid gesamthaft 587 Frauen eine Ausbildung absolviert, 306 haben das Diplom erworben, und 176 haben in irgendeiner Form eine Starthilfe (Nähmaschine, Gerüst und Stoff fürs Teppich-Knüpfen, Startkapital etc.) von uns erhalten. 38 Frauen haben sich selbständig gemacht und 79 haben bei sich zu Hause einen kleinen Näh- oder Teppichatelier eingerichtet.
Die jenigen, die Produzieren, unterstützen wir mehr, indem wir ihnen je nach Bedarf entweder ein Darlehen gewähren oder die gewünschten Arbeitsinstumente besorgen, wenn sie im Gegenzug Frauen anstellen.

Stipendium

Zur Förderung der Schulung der Frauen und Mädchen gewähren wir Stipendien. Hiervon haben in den Jahren 2010-2016 99 Personen profitiert. Im Gegenzug erbringen die Studentinnen eine sozilae Gegenleistung wie z.B. Hilfsunterricht an finanzschwachen Schülerinnen und Schüler.

In einer Gesamtschau sieht das Erreichte in Sachen Ausbildung/Schulung wie folgt aus: Überblick

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